Predigttext und Predigt zum Ostersonntag - 16. April 2017.

Den Gottesdienst hielt Pfarrer Thomas Lorenz.

Das Wochenlied: EG 101;

Titel: Christ lag in Todesbanden

Der Predigttext ist mit freundlicher Genehmigung des Verlags entnommen aus:
Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers in der revidierten Fassung von 1984,
durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung.
© 1999 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart.
Alle Rechte vorbehalten.
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Predigttext: Matthäus 28,1-10

Als der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria von Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen.
Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn der Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf.
Seine Gestalt war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee. Die Wachen aber erschraken aus Furcht vor ihm und wurden, als wären sie tot.
Aber der Engel sprach zu den Frauen:
Fürchtet euch nicht: Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat.
Kommt her und seht die Stätte, wo er gelegen hat;
und geht eilends hin und sagt seinen Jüngern, dass er auferstanden ist von den Toten. Und siehe, er wird vor euch hingehen nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt.
Und sie gingen eilends weg vom Grab mit Furcht und großer Freude und liefen, um es seinen Jüngern zu verkündigen.
Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüßt!
Und sie traten zu ihm und umfassten seine Füße und fielen vor ihm nieder.
Da sprach Jesus zu ihnen:
Fürchtet euch nicht! Geht hin und verkündigt es meinen Brüdern, dass sie nach Galiläa gehen: dort werden sie mich sehen.

Es gilt das gesprochene Wort!


Liebe Gemeinde!

( 1. Hin zum Grab )

Noch einmal alles tun für den geliebten Jesus. Was hat er alles den Menschen Großartiges getan! Die Erinnerungen sind noch frisch. Der Schmerz ist so groß wie die Liebe. Alles tun für Jesus - gerade, weil er tot ist. Eine letzte Gelegenheit! Deshalb ist es für Maria von Magdala und die andere Maria so wichtig, "nach dem Grab zu sehen" (V. 1). Zum letzten Mal bei ihm sein. Ihn noch einmal vorsichtig und zärtlich berühren. Diesen Ort seiner letzten Ruhe in sich aufnehmen und nie vergessen. Allein die Erinnerung bleibt. Keiner kann den Tod fassen.

Was bedeuten uns Gräber? Wie viele Menschen mögen heute auf die Friedhöfe zu den Gräbern ihrer lieben Verstorbenen gehen? Wie viele Erinnerungen mögen dann mitgehen und in ihren Köpfen und Herzen auferstehen! Gräber gehören zu den Lebenden, sagen wir. In unseren zum Teil auch schmerzlichen Erinnerungen leben die Toten weiter. So lesen wir es auf vielen Traueranzeigen. Aber - wenn wir sterben, stirbt die Erinnerung an unsere Toten mit!

Das Grab, zu dem die Frauen gehen, ist wie ein Wink aus der Vergangenheit. Geschichten werden wach. Szenen stehen vor Augen. Szenen vergangenen Glücks. Geschichten großartiger Taten. Krankenheilungen. Speisungen von über 5.000 Menschen. Totenauferweckungen. Nun ist er selbst an dieser Schwelle des Todes gescheitert. Die Kreuzigung war grausam, nicht anzusehen und nicht auszuhalten. Was können Menschen Menschen antun! Tag für Tag stand Jesus zu Lebzeiten in innerer Verbindung mit seinem ewigen Vater. Kein Wunder, dass er sich am Kreuz von ihm verlassen fühlte. Wie ein böser Traum schien dies alles den Frauen. Was hat Jesus ihnen bedeutet! Wie hat er ihr Leben reich gemacht! Nun sind sie arm, leer und ohne Zukunft.

Viele Gräber machen deutlich, dass Gott im Leben der Verstorbenen gehandelt und sie gebraucht hat. Wo Jesu Grab genau war, lässt sich heute nicht mehr genau ausmachen. Das ist für uns auch nicht nötig. Die Frauen aber kannten sein Grab.

Im Erdbeben wird auf dramatische und keineswegs erhoffte Weise Gottes Nähe spürbar. Gott handelt. Er selber lässt das Grab öffnen. Der Stein wird weggerollt. Der Engel des Herrn setzt sich auf den Stein. Dieses Grab sollte vorerst offen bleiben. Gottes Nähe und sein Handeln erschreckt die Wächter so sehr, dass sie ohnmächtig auf die Erde fallen. So bleibt die Art und Weise der Auferstehung von Jesus ohne Zeugen ein Geheimnis. Gott wollte es so.

Wie finden die Frauen das Grab vor, nachdem sie gerade ein Erdbeben erlebt hatten?

Der große Rollstein, der nur von zwei starken Männern weggerollt werden konnte, steht an der Seite und gibt den Eingang zur Grabeshöhle frei. Die Wachsoldaten liegen wie schlafend herum und regen sich nicht. Oben auf dem Rollstein sitzt eine hell leuchtende Gestalt, gekleidet in ein weiß glänzendes Gewand (V. 3). Der Bote Gottes tröstet die Frauen: "Fürchtet euch nicht!" (V. 5-7). Sie sollen sich selbst vom leeren Grab überzeugen. Jesus hatte sein Leiden und auch seinen Sieg über den Tod vorhergesagt (V. 6). So sind die Frauen Augen- und Ohrenzeugen der Zuverlässigkeit seines Wortes und der Erfüllung seiner Verheißungen.

Wie ist die Auferstehung vor sich gegangen? Wie war der Leib von Jesus beschaffen? Wird Jesus nie wieder sterben? Wer hat die Auferstehung ausgelöst?

Das Unglaubliche können wir uns kaum erklären.

Gott, der Schöpfer Himmels und der Erden, hat Jesus einen neuen, ewigen Leib geschaffen, der an seine irdische Persönlichkeit anknüpft. Er ist wiedererkennbar bis in seine Wundmale hinein. Aber er ist nicht mehr gebunden an Raum und Zeit.

Ich habe von einem interessanten Vergleich gelesen. Viele von euch - sicher nicht alle - werden mit diesem Vergleich etwas anfangen können. Es ist so ähnlich wie bei einem Computer. Ganz grundlegend ist in der Informationstechnologie die Unterscheidung zwischen Hardware und Software: Die Software ist der Teil des Computers, den man nicht sieht. Wie zum Beispiel das Betriebssystem, Programme und Anwendungen. Die Teile, die man sieht, heißen Hardware. Die Hardware, also der irdische Leib des Menschen, wird unbrauchbar und geht kaputt. Die Software aber wird gerettet und wird in eine neue Hardware überspielt. Da Jesu irdischer Leib nicht zerfallen ist, hat Gott den neuen Leib über den alten gezogen (vgl. 1. Korinther 15,53; 2. Korinther 5,4). Hier hinkt nun der Vergleich: Denn anders als bei Jesus, der in seinem Wesen (ich zögere, bei IHM den Begriff "Software" zu verwenden … Er ist jedenfalls in Ewigkeit derselbe; Hebräer 13,8) wird es bei den Jesus-Gläubigen in der Ewigkeit nicht nur eine neue Hardware, also einen neuen Leib, geben, sondern zugleich eine perfekte, absolut virenfreie Software, ein himmlisches Betriebssystem geben mit einer 100-prozentig sicheren Firewall gegen alles Böse, Belastende, Schädliche und Lästige …


( 2. Weg vom Grab )

Zurück nach Jerusalem um das Jahr 30.

Jesus ist weg. Deshalb gibt es für die Frauen jetzt nichts anderes als weg vom Grab. Das ist für sie keine Flucht aus Furcht. Der Bote Gottes hatte ihnen die Anweisung dazu und einen Auftrag gegeben. Nachdem sie sich vom leeren Grab überzeugt hatten, sollen sie das Erlebte zuerst den Jüngern weitersagen. Aber auch die Jünger sollen sich selber überzeugen können (V. 7), dass die Frauen nicht irgendeiner Gefühlsduselei oder Spinnerei aufgesessen sind. Die Friedhofsfurcht ist zwar noch nicht ganz von ihnen gewichen, aber die Freude über die Auferstehung Jesu Christi ist größer. Deshalb weg vom Grab!

Weg vom Grab, das empfinden viele Menschen heute auch aus anderem Grund. Ein Grab ist kein Lebensort, sondern Ort des Todes. Friedhöfe werden gemieden. Sie haben für viele etwas Schauriges und Unheimliches an sich, besonders an dunklen oder nebligen Tagen. Aber selbst bei schönstem Wetter können sie mit ihren Erinnerungen an die Vergänglichkeit allen Daseins auf uns wirken.

Weg vom Grab, das kann auch heißen, weg von den Gedanken an Sterben und Tod. In unserer modernen Konsumgesellschaft sind wir Verdrängungsmeister der Gedanken an unsere Vergänglichkeit. Auch für Ostern gibt es in unserer Spaßgesellschaft Beispiele genug (Osterhase, Ostereier usw.). Es geschieht nichts Neues unter der Sonne. Zu allen Zeiten hat es Menschen gegeben, die nach dem Motto lebten: "Lasset uns fressen und saufen, denn morgen sind wir tot!" (vgl. Jesaja 22,13; 1. Korinther 15,32).

Christen sind unterwegs auf dem Weg weg vom Grab aus gutem Grund. Das Grab ist leer. Christen verehren das Grab von Jesus nicht! Deshalb müsste die Grabeskirche in Jerusalem eigentlich Auferstehungskirche heißen. Jesus hat den Tod besiegt. Jesus lebt! Deshalb weg vom Grab! Hin zu Jesus!

Christen können fröhlich auf Friedhöfen sein und glücklich an Gräbern ihrer Verstorbenen verharren. Unser irdischer Leib vergeht, aber Gott schenkt uns einen neuen Leib und ein unvergängliches Leben.


( 3. Hin zu Jesus )

Während die Frauen unterwegs sind weg vom Grab, begegnet ihnen Jesus. Die Frauen treten auf ihn zu, fallen vor ihm nieder und umfassen seine Füße. Gerade hatten sie noch das leere Grab erlebt. Unfassbar! Nun können Sie seine Füße umfassen (V. 9). Unglaublich! Die Furcht vor dem Unglaublichen droht ihre Freude zu ersticken. Ist er es wirklich? Da bleiben Verstand und Herz auf der Strecke. Wichtig für sie ist jetzt nur eines: Weg vom Grab! Hin zu Jesus!

Für die Jünger war die Begegnung mit Jesus ähnlich schwierig. Von Jerusalem bis nach Galiläa sind es ca. 150 km. Der Weg ist mühevoll. Diese Mühen sollten sie auf sich nehmen, wenn sie Jesus begegnen und sich selber überzeugen wollten.

Der Weg zu Jesus ist auch heute für manche Menschen mühevoll. Manch einer muss durch Not und Krankheit hindurch, um bereit zu sein, Jesus zu begegnen. Gott führt durch seinen Geist jeden Menschen anders.

Der Auferstandene ist auch heute mitten unter uns. Unsere Augen sehen ihn nicht. Aber er ist da! Mit unseren Gedanken und Herzen können wir auf ihn zugehen, mit ihm im Gebet sprechen und ihn mit unseren Liedern loben und ihm danken. Er möchte, dass wir zu ihm kommen. Er möchte durch sein Wort zu uns sprechen. Als Auferstandener möchte er uns die Furcht vor der Zukunft, die Angst vor dem Bösen und dem Tod auf dieser Erde nehmen. Er möchte uns trösten in dieser Welt von Blut und Tränen.

Wie absurd ist doch ein "Ostern" ohne Auferstehung und ohne den Auferstandenen, das so viele heute feiern! Sie sagen, sie feiern ein Frühlingsfest. Aber ist uns klar, dass das nur für die mittleren Breiten der Nordhalbkugel der Erde gilt? In Südafrika ist an Ostern Herbst- und Erntezeit, und in Israel reift die Gerste an Ostern heran. So kommt es bei Ostern letztlich gar nicht auf die Frühlingsstimmung an, sondern darauf, dass alle Menschen erkennen, dass sie ohne Jesus, den Auferstandenen, so weit von dem ewigen Leben entfernt sind wie ein vom Frost erstarrter Apfelbaum von einem, der in voller Blüte steht. Um die Menschen aus ihrer geistlichen Todesstarre zu erwecken, dazu ist Jesus Christus für uns gestorben und auferstanden. Wer das glaubt, hat teil am neuen, ewigen Leben des Sohnes Gottes und wir selber auferstehen zu neuem, ewigen Leben.

Ostern feiern wir die Gegenwart des Auferstandenen. Wir feiern das neue, ewige Leben, das Jesus allen schenkt, die ihm vertrauen. Hast du es dir schon schenken lassen?

AMEN.

Die Kirchengemeinde Eysölden wünscht gesegnete Ostern!