Predigttext und Predigt zum 4. Sonntag vor der Passionszeit - 5. Februar 2017.

Den Gottesdienst hielt Pfarrer Thomas Lorenz.

Das Wochenlied: EG 67;

Titel: Herr Christ, der einig Gotts Sohn

Der Predigttext ist mit freundlicher Genehmigung des Verlags entnommen aus:
Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers in der revidierten Fassung von 1984,
durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung.
© 1999 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart.
Alle Rechte vorbehalten.
Ein Nachdruck des revidierten Textes der Lutherbibel sowie jede andere Verwertung
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der Genehmigung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland.


Predigttext: Matthäus 14, 22-33

Und alsbald trieb Jesus seine Jünger, in das Boot zu steigen und vor ihm hinüberzufahren, bis er das Volk gehen ließe.
Und als er das Volk hatte gehen lassen, stieg er allein auf einen Berg, um zu beten. Und am Abend war er dort allein.
Und das Boot war schon weit vom Land entfernt und kam in Not durch die Wellen; denn der Wind stand ihm entgegen.
Aber in der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen und ging auf dem See.
Und als ihn die Jünger sahen auf dem See gehen, erschraken sie und riefen: Es ist ein Gespenst!, und schrien vor Furcht.
Aber sogleich redete Jesus mit ihnen und sprach: Seid getrost, ich bin's; fürchtet euch nicht!
Petrus aber antwortete ihm und sprach: Herr, bist du es, so befiehl mir, zu dir zu kommen auf dem Wasser.
Und er sprach: Komm her! Und Petrus stieg aus dem Boot und ging auf dem Wasser und kam auf Jesus zu.
Als er aber den starken Wind sah, erschrak er und begann zu sinken und schrie: Herr, hilf mir!
Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn und sprach zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?
Und sie traten in das Boot und der Wind legte sich.
Die aber im Boot waren, fielen vor ihm nieder und sprachen: Du bist wahrhaftig Gottes Sohn!

Es gilt das gesprochene Wort!


Liebe Gemeinde!

( Sturmstillungen )

Zwei Bootsgeschichten, zwei Sturmgeschichten (Markus 4,35-41 und unser Predigttext) - mit vielen Ähnlichkeiten, aber auch viele Unterschieden …

Seien wir ehrlich. Wenn uns schon Stürme treffen, dann soll es so passieren wie es das Evangelium des Sonntags (Markus 4,35-41) erzählt. Großes Unwetter, menschlich gesehen die Möglichkeit, unterzugehen, und dann Jesus, der in dem Sturm schlafen kann, geweckt wird und kurz mal einen Brüller übers Wasser lässt und alles wird ruhig.

Das sind Glaubenserfahrungen! Da kann man sich im Hauskreis was erzählen, da kommt Zustimmung und Beifall auf im "Leben live"-Gottesdienst …

Da durchlebt eine Frau eine Krise in der Arbeit, es ist fraglich, ob sie ihren Platz noch halten kann. Sie wird sogar entlassen. Dann Gebetsgemeinschaft (zu Jesus schreien), und am nächsten Tag bekommt sie eine Stelle bei einem besseren Betrieb. So darf es laufen. So kommt der Glaube gut an.

Keiner ahnte, wie einsam er ist. Keiner sieht, wie quälend das Alleinsein manchmal war. Dann eine Gebetsgemeinschaft (zu Jesus schreien) - gut, es dauert einen Monat -, aber dann kann er in eine WG einziehen, und sechs Wochen später trifft er die Frau fürs Leben. So wird der Glaube attraktiv.

Oder: Große Krise in der Ehe. So langsam merken es auch die anderen. Es bricht mehr und mehr auseinander. Gebetsgemeinschaft (zu Jesus schreien), und auf einmal wächst bei beiden wieder echte Liebe zueinander. Die Ehe kann heilen.

Mit solchen Glaubenserfahrungen lässt es sich gut leben.
Probleme in der Jugendgruppe, weil ein Kind verhaltensauffällig ist. Man betet, und beim nächsten Mal sitzt es aufmerksam da. Ein Wunder. "Danke, Jesus!"

Ein Kind zum Papa: "Papa, mir war ganz schlecht. Dann habe ich zu Jesus gebetet. Jetzt ist es gut. Gell, Papa, das war ein Wunder?" "Ja, das war ein Wunder. Wir wollen Jesus noch danke sagen!" Da haben wir dann Jesus gerne gedankt.

Ich könnte fortfahren …

( Schicksalsschläge )


Das ganze 14. Kapitel im Matthäus-Evangelium ist ein eindrückliches realistisches Kapitel, das Jesus in Schicksalsschlägen mit menschlichen Empfindungen zeigt. Am Anfang des Kapitels wird berichtet, wie Herodes bei einer Party den Wunsch seiner Stieftochter erfüllt und Johannes den Täufer köpfen und seinen Kopf auf einer Schale servieren lässt.

"Als das Jesus hörte, fuhr er in einem Boot in eine einsame Gegend allein." Es wird nicht näher erläutert, was Jesus empfindet. Vielleicht wird er an seinen eigenen Tod erinnert. Vielleicht leidet er auch darunter, dass so viel Ungerechtigkeit in der Welt herrscht … Er zieht sich zurück.

"Und als das Volk das hörte, folgte es ihm zu Fuß aus den Städten. Und Jesus stieg aus dem Boot und sah die große Menge; und sie jammerten ihn, und er heilte ihre Kranken …" Es bleibt wenig Zeit für Jesus; Menschen brauchen Hilfe. Abends weisen dann die Jünger darauf hin, dass nichts zu essen da ist und Jesus die Leute doch wegschicken soll. Aber Jesus will sie nicht fortschicken und bittet die Jünger, dass sie ihnen was zu essen geben. Die Jünger haben aber nur fünf Fladenbrote und zwei Fische. Da erleben die Jünger, wie Jesus über 5.000 Men-schen satt macht und dazu nur fünf Brote und zwei Fische braucht. Ein eindrückliches Wunder, das auch Jesus auspowerte. Er schickt die Jünger alleine per Schiff auf den See und muss mit dem Vater im Himmel reden.


1. Von Jesus weggeschickt vom Ansturm der Leute

Jesus schickt die Jünger weg. Sie sollen Pause machen. Er erteilt den Befehl, wie "ab ins Bett!".

Auch wir können nicht immer nur geben und für die Leute da sein. Wir brauchen auch Zeiten, wo uns Jesus von den Leuten wegschickt, damit wir auch mal Ruhe haben und ausschlafen können. Wir brauchen die bereits in der Schöpfung angelegte Ordnung von sechs Tagen Arbeit und einem Tag Ruhe. Auch Jesus brauchte die Pause, das Alleinsein mit dem Vater.

Aber irgendwie kann es dann gerade in besonderen Stresszeiten zu Situationen kommen wie in unser Predigttext. Man hätte jetzt endlich mal frei. Man darf und will sich zurückziehen. Man hat endlich Urlaub. Und dann werden alle Kinder krank. Dann bricht ein Sturm los … Man fühlt sich vielleicht sogar …


2. Von Jesus alleingelassen im Sturm auf dem See


Von wegen ausruhen und auftanken. Es kommt alles ganz dick. Das Boot litt Not, starker Gegenwind bricht auf. Da will man wirklich Ruhe haben und alles bricht über einem zusammen. Man erlebt im Gottesdienst große Glaubenserfahrungen und Wunder, und auf der Heimfahrt kommt ein Anruf und ein Sturm bricht los … Der Wind bläst einem ins Gesicht. Menschen stellen sich gegen einen. Der Glaube wird stark kritisiert. Und Jesus ist anscheinend nicht da, ist nicht zu sehen und nicht zu spüren. Es fällt einem nicht mal mehr ein Lied von Albert Frey oder von Paul Gerhardt ein. Man ist anscheinend sich selber überlassen.


3. Von Jesus erschreckt während des Sturms

Erst gegen Morgen (4 bis 6 Uhr) kommt Jesus und wird für ein Gespenst gehalten.

Die Jünger bekommen riesige Angst, als sie ihn sehen. Jesus kommt also nicht gleich.

Es kann auch uns so gehen, dass wir Jesus im Sturm und in der Nacht nicht gleich erkennen.


4. Von Jesus gehalten mitten im Sturm

Der Zuspruch: "Seid getrost, ich bin's; fürchtet euch nicht!"

Petrus glaubt dem Zuspruch erst, nachdem er ein Glaubenswunder erleben darf.

Manchmal kann man einem Wort erst glauben, wenn man es ausprobiert. Manchmal ist man so fertig, dass auch ein Wort Gottes nach unten ziehen kann.

Petrus geht auf Jesus zu, aber sieht dann wieder den Sturm, er merkt, dass die Not ja immer noch da ist. Das passt vielleicht nicht in seine Glaubensvorstellungen. Da hält seine Theologie nicht stand. Er droht zu sinken … aber er schreit zum Herrn … und wird gehalten.

Jesus kommt erst dann ins Boot, als der Wind eh kurz darauf nachlässt. In diesem Bericht hat Jesus das Ende des Sturmes nicht beeinflusst. Denn: Wenn Jesus kommt, muss nicht automatisch der Wind aufhören, aber Jesus kann man im Sturm erfahren. Das Wichtigste ist, dass Jesus kommt, das Wichtigste ist nicht, dass der Wind aufhört.

Jesus ist mit seinen Jüngern am rettenden Ufer, dann kommen schon wieder die Kranken. Und die Pharisäer, sie fragen, warum sich die Jünger vor dem Brotessen nicht die Hände waschen. Solche Fragen können kommen und bringen einen vollends zum Verzweifeln …

Ich weiß nicht, was bei mir, bei dir in den nächsten Tagen kommen wird. Vielleicht werden wir den Eindruck haben: Gott lässt mich hängen, lässt mich allein. Vielleicht erleben wir aber auch tatsächlich, dass Stürme aufhören, weil wir gebetet haben. Vielleicht müssen wir aber auch durch den Sturm, der nicht aufhören will. Doch Jesus wird dabei sein und mich festhalten, dass ich nicht untergehe.

AMEN.

Die Kirchengemeinde Eysölden wünscht eine gesegnete Woche!