Predigttext und Predigt zum 1. So. n. Epiphanias - 08. Januar 2017.

Den Gottesdienst hielt Pfarrer Thomas Lorenz.

Das Wochenlied: EG 444;

Titel: Du höchstes Licht, du ewger Schein

Der Predigttext ist mit freundlicher Genehmigung des Verlags entnommen aus:
Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers in der revidierten Fassung von 1984,
durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung.
© 1999 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart.
Alle Rechte vorbehalten.
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der Genehmigung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland.


Predigttext: Matthäus 4,12-17

Als Jesus hörte, dass Johannes gefangengesetzt worden war, zog er sich nach Galiläa zurück. Und er verließ Nazareth, kam und wohnte in Kapernaum, das am See liegt im Gebiet von Sebulon und Naftali, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten Jesaja, der da spricht (Jesaja 8,23; 9,1):
"Das Land Sebulon und das Land Naftali,
das Land am Meer, das Land jenseits des Jordans,
das heidnische Galiläa, das Volk, das in Finsternis saß,
hat ein großes Licht gesehen;
und denen, die saßen am Ort und im Schatten des Todes,
ist ein Licht aufgegangen."
Seit der Zeit fing Jesus an zu predigen:
Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen.

Es gilt das gesprochene Wort!


Liebe Gemeinde!

Es ist faszinierend, wenn man die zahllosen Fenster und Türen, ja ganze Häuser, Gärten und Straßen sieht, wie sie zurzeit in verschiedensten Farben leuchten. Man ist fast geneigt zu fragen: Gibt es noch irgendeinen Menschen in unserem Ort oder in den Gemeindeteilen, in dessen Fenstern, an dessen Hauswand keine Lichterkette strahlt?

Es ist schön, dass es überall so hell ist. Gerade jetzt, wo die Tage so kurz sind und viele häufig im Dunkeln zur Arbeit gehen und erst wieder nach Hause kommen, wenn es bereits wieder dunkel ist. Gerade in diesen Wintertagen scheint die Dunkelheit vieles zu dominieren. Und Dunkelheit kann ganz schön Angst machen. Viele der Lichter, die zurzeit leuchten, wirken wie stumme Schreie dagegen. Lichter sind Zeichen der Hoffnung und Zuversicht. Auch gegenüber dem, was Angst macht. Lichter gegen die Finsternis.

Unser heutiger Bibelabschnitt greift genau dieses Thema auf: Licht und Finsternis. Oder besser gesagt: Finsternis und dann endlich Licht!



1. Das Licht ist da

Nein, besonders "fromm" war diese Ecke des Landes wohl nicht. Manche sprachen verächtlich vom "Galiläa der Heiden", und das, obwohl dort auch viele gottesfürchtige Juden wohnten. Aber es war eine stark gebeutelte Region: Niederlagen in kriegerischen Auseinandersetzungen, und das schon viele Jahre. Hinzu kamen immer wieder enttäuschte Hoffnungen und Erwartungen.

Aber jetzt schien sich vieles zu ändern. Auslöser war der Umzug Jesu von Nazareth nach Kapernaum. Diesen Umzug kann man mit einem Startsignal vergleichen - denn jetzt beginnt das öffentliche Wirken von Jesus. Sie hatten lange auf den Messias, den von Gott versprochenen Retter gewartet, aber dass es ausgerechnet hier geschehen sollte, das hatte keiner gedacht. Hier im Land Sebulon und Naftali; arm waren sie nicht, man konnte hier gut leben, aber der Nabel der Welt, der war woanders.

Und trotzdem beginnt es ausgerechnet in dieser "gottverlassenen Gegend". Im "Galiläa der Heiden" - ein wenig schmeichelhafter Ausdruck - beginnt das Licht der Welt öffentlich zu leuchten. Gottes Gnade strahlt auf. Dieses Licht leuchtet einem Volk, das selbst mitten in der Finsternis sitzt. Vermutlich teilen viele unter euch die Erfahrung, selber schon mal richtig im Finstern gesessen zu sein, weil zum Beispiel der Strom ausgefallen ist. Leider ist es aber manchmal bei der Dunkelheit, die uns umgibt, nicht mit dem Griff zur Taschenlampe, dem Gang zum Lichtschalter oder Sicherungskasten getan.

Es gibt wahrlich dunkle Tage und Zeiten im Leben. Die Angst geht um, und zwar in verschiedensten Facetten: Krankheit, Arbeitslosigkeit, Zukunft, Familie ... Manchmal kommt man sich vor wie in einem finsteren Tal, das man durchschreitet, wie in einem Tunnel, dessen Ende man nicht sehen kann.

Und dabei sehnt man sich nach Licht, das diese Dunkelheit durchbricht. Den Menschen, die damals in der Gegend am See Genezareth lebten, ist dieses Licht aufgegangen. Dieses Licht der Liebe Gottes, das jede Dunkelheit hell machen kann.

Endlich, endlich, so scheint man fast zu hören, endlich war das Licht gekommen. Und das geschah nicht nur damals im fernen Israel.

Wir feiern das Erscheinungsfest. Gottes Liebe zu uns Menschen ist in Jesus Christus erschienen. Sein Licht will uns allen heute auch leuchten, in alle Dunkelheiten unseres Lebens, in unsere Ängste, in unsere finsteren Herzen …


2. Das Licht leuchtet hell

Noch bis vor ein paar Jahren schien es so zu sein, dass nur noch das gut ist und einen Wert zu haben scheint, was "mega" ist: "mega-cool", "mega-genial" usw. Ein Wort aus der Jugendsprache, das in unserer Umgangssprache übernommen wurde. Jenes Licht, das damals zu leuchten begann, war ein Mega-Licht: "Das Volk, das in Finsternis saß, hat ein großes Licht (phoos méga) gesehen …" Ein Licht, das jede Finsternis erhellen kann, ein Licht, dem in seiner Macht keine Grenzen gesetzt sind.

Gottes Licht leuchtet in jeden Winkel dieser Erde. Das darf uns Hoffnung machen. Gottes Licht leuchtet sogar denen, die "im Schatten des Todes" sitzen. Es leuchtet auch dann, wenn wir Menschen es fast nicht mehr glauben können. Also auch angesichts der größten Not, des Todes. Auch hiervor macht das Licht Jesu keinen Halt, so groß, stark und "mega" ist es.

Im irischen Newgrange erleuchtet die Sonne einmal pro Jahr die Schatten des Todes für wenige Augenblicke. Als Licht der Hoffnung in einer großen Grabstätte. Das Licht Gottes in Jesus Christus leuchtet jeden Augenblick, es leuchtet immer, bis in die Schatten des Todes. Um unsere Angst zu erhellen. Um uns Hoffnung zu schenken.


3. Komm ins Licht

Es ist Gottes Aufforderung an uns Menschen, uns ihm anzuvertrauen, in seinem Licht zu leben. Jesus Christus ruft zum Neuanfang auf.

Aber es ist ebenso wichtig, dass wir als Christen immer wieder bewusst diesen Schritt zurück ins Licht zu tun.

Einige kennen vermutlich die Erfahrung, dass Sünde, die eben auch zum Leben eines Christen gehört, unerkannt und vor allem ungenannt bleiben will. Wir sind dadurch immer wieder versucht, uns aus der Gegenwart Gottes zu lösen und dabei Sünde zu verdecken. Wir sind auch als Christen aufgefordert, unsere Sünden nicht zu verheimlichen, uns nicht aus seinem Licht zu entfernen, sondern gerade die Gemeinschaft mit ihm zu suchen, also als "Kinder des Lichts" (Epheser 5,8) zu leben.

Es sind letztlich nicht unsere Lichter, mit denen wir unsere Häuser schmücken, die trösten, die Hoffnung wecken und die uns unsere Ängste nehmen können. Es ist Gott in seinem Sohn Jesus Christus, dem Licht der Welt, der unsere Finsternis hell machen will, der überall leuchten kann und der uns ruft, in seinem Licht zu leben.

AMEN.

Die Kirchengemeinde Eysölden wünscht ein gesegnete Woche!