Predigttext und Predigt zu Epiphanias - 06. Januar 2017.

Den Gottesdienst hielt Pfarrer Thomas Lorenz.

Das Wochenlied: EG 70;

Titel: Wie schön leuchtet der Morgenstern

Der Predigttext ist mit freundlicher Genehmigung des Verlags entnommen aus:
Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers in der revidierten Fassung von 1984,
durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung.
© 1999 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart.
Alle Rechte vorbehalten.
Ein Nachdruck des revidierten Textes der Lutherbibel sowie jede andere Verwertung
in elektronischer oder gedruckter Form oder jedem anderen Medium bedarf
der Genehmigung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland.


Predigttext: Johannes 1,15-18

Johannes gibt Zeugnis von Jesus und ruft:
Dieser war es, von dem ich gesagt habe: Nach mir wird kommen, der vor mir gewesen ist; denn er war eher als ich.
Und von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade.
Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben;
die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.
Niemand hat Gott je gesehen; der Eingeborene, der Gott ist und in des Vaters Schoß ist, der hat ihn uns verkündigt.

Es gilt das gesprochene Wort!


Liebe Gemeinde!

An Weihnachten haben wir wieder darüber gestaunt, dass Gott Mensch wurde, dass er sich so sehr erniedrigt hat, dass sein Sohn als Baby in einem Stall zur Welt kam. Gott macht sich unendlich klein für uns. Doch passen wir auf! Machen wir Jesus nicht von unserer Seite aus zu klein! Wir können nicht groß genug von Jesus denken. Das will uns unser Bibelabschnitt vor Augen malen.

Kommen wir heute am Epiphaniasfest noch einmal neu ins Staunen, was für ein unendlich großes Geschenk Gott uns mit Jesus macht.


1. Jesus ist in jeder Hinsicht unvergleichlich

Nachfolger haben es oft schwer, wenn sie in die großen Fußstapfen ihrer Vorgänger treten. Dafür gibt es biblische Beispiele (Mose - Josua, Elia - Elisa), dafür gibt es auch zahllose Beispiele in der Politik, in Organisationen, im Arbeitsleben.

Das Gleiche gilt für Söhne bedeutender Väter, denken wir zum Beispiel an Isaak, der ganz im Schatten seines großen Vaters bleibt.

Jesus kommt nach Johannes dem Täufer. Er wurde nach ihm geboren und begann seine öffentliche Tätigkeit später. Weil Jesus sich von Johannes taufen ließ, dachten manche, er sei sein Jünger. Johannes stellt klar: "Jesus kam zwar zeitlich nach mir, aber er hat Vorrang vor mir. Als Sohn Gottes war er schon vor mir, deshalb ist er nicht nur zeitlich vor mir, sondern hat auch von der Bedeutung
her absoluten Vorrang."

Nachfolger haben es oft schwer. Ausnahmen bestätigen die Regel, denn manchmal überragen Nachfolger auch ihre Vorgänger, zum Beispiel war David viel bedeutender als Saul (evtl. auch Beispiele aus der Neuzeit).
Ist Jesus also eine dieser Ausnahmen?

Nein, für den Täufer ist Jesus unvergleichlich. Wörtlich sagt er nämlich nicht: "Er war eher als ich", sondern: "Er war der Erste im Vergleich zu mir (Superlativ, nicht Komparativ!)".

Jesus ist also in jeder Hinsicht der Erste.

Jesus ist der Brennpunkt der Geschichte. Es gibt in diesem Sinn kein vor ihm und kein nach ihm. Jesus ist in jeder Hinsicht unvergleichlich.


2. Jesus beschenkt uns lebenslang mit Gnade


Jesus schenkt Gnade über Gnade. Also nicht nur Gnade am Anfang unseres Weges als Christen, sondern lebenslang immer wieder neu. Er webt sozusagen seine Gnade, seine heilvolle Zuwendung hinein in unsere Biografie. Diese Gnade nimmt in unterschiedlichen Lebensphasen unterschiedliche Gestalt an. Dass wir zum Glauben gefunden haben - durch ein christliches Elternhaus, trotz eines (allzu) christlichen Elternhauses oder auch trotz eines ganz unkirchlichen Elternhauses - ist Gottes Gnade zu verdanken.

Beruf und Familie können Gnadenerweisungen Gottes sein, es ist Gnade, wenn er unsere Ehe in stürmischen Zeiten erhält, auf seine Gnade können wir in Krankheitszeiten, beim Älterwerden und beim Sterben hoffen.

Gnade um Gnade, Gnade über Gnade bedeutet nie ausgehende Gnade, Gnade, die immer wieder andere Formen annimmt, um uns in jeder Lebenslage stets an die gleiche Gnade zu erinnern, dass der Messias Jesus gekommen ist, um uns Vergebung und Frieden mit Gott zu schenken.

In dem Wort "nehmen", das hier steht, stecken übrigens zwei Bedeutungsnuancen, die beide gleich wichtig sind: das aktivere "Nehmen" und das eher passive "Empfangen". Die Gnade gilt es sowohl bewusst anzunehmen als auch gläubig zu empfangen als unverdientes Geschenk.


3. Jesus gibt mehr als Mose

Silber ist weniger wert als Gold. Ist Silber deshalb wertlos? Nein, natürlich nicht, auch Silber ist ein Edelmetall. So ist auch das Gesetz des Mose, die Tora, die Lebensordnung Gottes für sein Volk sehr wertvoll. Das stellt der Evangelist überhaupt nicht in Abrede, wenn er das Mosegesetz mit dem vergleicht, was Jesus schenkt. Aber es gibt einen gewichtigen Unterschied. "Moses ist nicht selbst Gesetzgeber gewesen; Christus aber ist die Quelle der Gnade und Wahrheit" (Johann Albrecht Bengel). Mose vermittelte das Heil nur. Jesus ist das Heil in Person. Die Israeliten haben auch nie an Mose geglaubt.

Wir aber glauben an Jesus, weil wir durch den Glauben an ihn Vergebung unserer Schuld bekommen und Zugang zum Vaterhaus Gottes.


4. Jesus übermittelt uns den Herzschlag des Vaters


Manche Sportler benützen einen Brustgurt mit einem Herzfrequenzmesser, um auf der Sportuhr oder dem Smartphone ihren Herzschlag überwachen zu können.

Jesus lag am Herzen Gottes. Luther übersetzte "Schoß", auch "Brust" ist möglich - es geht jedenfalls um innige Nähe und um einen besonderen Ehrenplatz, den Jesus immer schon hatte, immer hat und immer haben wird. Das ist etwas anderes als beispielsweise beim Apostel Johannes, von dem lediglich gesagt wird, dass er beim letzten Abendmahl an der Brust Jesu lag (Johannes 13,23.25) …

Weil Jesus diese einzigartige Stellung bei Gott dem Vater hat, deshalb kann er uns berichten, wie Gottes Herz schlägt.

Dass es in Liebe für uns schlägt. Jesus gibt nicht nur Wissen von Gott weiter, sondern er zeigt, wie Gott ist, was sein innerstes Wesen ausmacht, in der Jugendsprache würden wir sagen, "wie Gott tickt". Gottes Herz schlägt für uns. Gott will, dass wir das wissen. Jesus kam, um uns das zu sagen. Nur Jesus konnte das - weil Gott nur einen einzigen Sohn hat, weil er "Gott von Art" ist und so Gott im Innersten versteht, weil er wie der Vater ganz Gott ist und kein noch so dünnes Blatt Papier zwischen die beiden passt. Lasst uns so seine Worte hören und lesen: als Übermittlung des Herzschlages Gottes.

( Schluss )

Ich wünsche mir, dass unser Glaube durch Weihnachten gestärkt wurde, dass wir durch das heutige Bibelwort noch einmal ganz neu ins Staunen gekommen sind, was Jesus uns schenkt. Alle noch so großen, schönen, liebevollen Geschenke an Weihnachten müssen davor hoffnungslos verblassen. Wir können nicht groß genug von Jesus denken und nicht leidenschaftlich genug an Jesus glauben!

AMEN.

Die Kirchengemeinde Eysölden wünscht einen gesegneten Feiertag!