Predigttext und Predigt zu Silvester - 31. Dezember 2016.

Den Gottesdienst hielt Pfarrer Pfarrer Thomas Lorenz.

Das Wochenlied: EG 321;

Titel: Nun, danket alle Gott

Der Predigttext ist mit freundlicher Genehmigung des Verlags entnommen aus:
Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers in der revidierten Fassung von 1984,
durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung.
© 1999 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart.
Alle Rechte vorbehalten.
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Predigttext: 2. Korinther 1, 19-20 i.A.

"Der Sohn Gottes, Jesus Christus, … der war nicht Ja und Nein, sondern es war Ja in ihm. Denn auf alle Gottesverheißungen ist in ihm das Ja."

Es gilt das gesprochene Wort!


Liebe Gemeinde!

( Ja zu Neuem )

Wir stehen an der Schwelle zu einem neuen Jahr, dem Jahr 2017. Von einem "Ja" redet der Apostel Paulus im 2. Korintherbrief. Man muss schon ganz genau hinhören, um den Unterschied zwischen dem "Jahr" (mit ‚hr' am Schluss) und dem "Ja" (ohne ‚hr' am Schluss) herauszuhören. Paulus redet von einem "Ja". Einem "Ja", das mehr ist als Schall und Rauch. Von einem Ja, das persönlich ist. Von einem Ja, das fest mit einer Person verbunden ist, mit Jesus Christus. Denn in ihm gibt es nicht gleichzeitig ein Ja und Nein, sondern ausschließlich ein "Ja". "Denn auf alle Gottesverheißungen ist in ihm das Ja."

Dietrich Bonhoeffer hat einmal gesagt: "Nicht alle unsere Wünsche, aber seine Ver-heißungen erfüllt Gott." Verheißungen sind Versprechen Gottes. Gottes Versprechungen sind nicht leer, sie haben eine Erfüllungsgarantie, und diese Garantie hat einen Namen, sie heißt Jesus Christus. Gott hält, was er verspricht! Christen enttäuschen, Christus nie! Wir dürfen Gott beim Wort nehmen. - Das lässt sich sogar nachprüfen. Sehen wir es uns doch einmal näher an!

Einige hundert Jahre vor Christi Geburt war das Alte Testament bereits abgeschlossen. Darin finden sich über 300 Voraussagen auf den Messias, den Gesalbten Gottes, den Christus, den Retter der Welt, die sich ausnahmslos im Leben Jesu bereits erfüllt haben. Es lohnt sich, dem einmal mit Hilfe der in der Bibel angegebenen Parallelstellen nachzugehen! Alles Zufall? Aber schon die Wahr-scheinlichkeit, dass nur zehn Prophetien sich im Leben eines einzigen Mannes erfüllen, ist astronomisch klein. So manchen hat gerade diese Tatsache von der Wahrheit der Bibel überzeugt. Denn wer mag da noch an "Zufall" glauben?

Ein Ja steht auch über unserem Leben. Wir verdanken unser Leben einem Ja.

Dem Ja, das meine Eltern zueinander gesagt haben, dem Willen und der Bereitschaft, aus einem Ehepaar zu einem Elternpaar, zu Vater und Mutter, zu werden. Es gibt ja Menschen, die von ihren Eltern nicht gewollt waren ("Verhütungspanne"); manchmal bleibt dieses Gefühl von Ablehnung ein ganzes Leben lang bestehen. Aber dann darf ich wissen: Ich bin ich dennoch gewollt - wenn nicht von meinen Eltern, dann doch von Gott, meinem Schöpfer! Ich bin "kein Kind des Zufalls, keine Laune der Natur", sondern "ein Gedanke Gottes, ein genialer noch dazu" (Jürgen Werth).

Gott sagt Ja zu mir. Von allem Anfang an, schon lange bevor ich denken kann. Von Ewigkeit her hat er mich geliebt (Jeremia 31,3). Er hat mich gekannt, noch bevor ich von meinen Eltern gezeugt und empfangen wurde. David bekennt es voller Staunen: "Denn du hast meine Nieren bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe. Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele. Es war dir mein Gebein nicht verborgen, / als ich im Verborgenen gemacht wurde … Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war, und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war …" (Psalm 139,13-16).

Ich verdanke nicht nur mein persönliches Leben, mein Dasein einem Ja, dem Ja Gottes. Die ganze Welt - die sichtbare und die unsichtbare (!) Welt - verdankt sich dem Ja eines großartigen und wunderbaren Schöpfers.

Die Wunder der Natur - von kleinsten Welten im Inneren der Atome bis hin zu den Weiten des Universums - können einen zum Staunen bringen. Es stellt sich die Frage nach dem "Woher". Die Ordnung in der Schöpfung lässt das Wirken eines Schöpfers erahnen. So müssen Glaube und Naturwissenschaft keine Gegensätze sein.

Wie anders reden Wissenschaftler, die nicht an einen Schöpfer glauben! Der Mensch sei ein "Zigeuner am Rande des Alls", sagt etwa der Nobel-Preisträger Jacques Monod (1910-1976). Zufällig sei der Mensch aufgetaucht, ohne Plan und Sinn sei er entstanden und "in ein gleichgültiges und stummes Universum" geworfen worden. Nun sei er allein und verlassen - irgendwo mittendrin oder am Rand eines herrenlosen, kalten Weltalls.

Zwischen diesen beiden Auffassungen liegen Welten. Beides kann nicht wahr sein. Entweder wir sind wirklich nur "Zufallsprodukte", wie Monod meint. Oder wir sind von einem Schöpfer planvoll und mit Absicht in diese Welt gestellt, dessen Ja unser Leben trägt.

Dass Gottes Ja über unserem Leben steht, dass Gottes Ja diese Welt ins Dasein rief und Gottes Ja diese Welt bis zum heutigen Tag erhält, dass dieses Ja unverbrüchlich ist, unwiderruflich und vorbehaltlos, das gibt meinem Leben Halt. Ich treibe nicht planlos und ziellos im Universum herum, sondern Gottes Ja gilt mir. Mir ganz persönlich. Und dir ganz genauso.

Dieses Ja Gottes gibt meinem Leben Sinn und Ziel.

Und es befähigt mich, selber Ja zu sagen.

Ja zum Beispiel zu einem neuen Jahr (!), zu dem Jahr 2017 eben, das noch so viele Überraschungen - positive wie negative - mit sich bringen mag. Wenn ich um Gottes Ja für mein Leben weiß, dann bin ich getragen und geborgen - egal, was das Jahr noch bringen mag.

( Ja zu Vertrautem )

Gottes Ja zu mir befähigt mich, dass auch ich Ja zu mir selber sagen kann. Ja auch zu Vertrautem, zu dem, was "immer schon" so war, wie es ist.

Gottes Ja zu mir befähigt mich, dass auch ich Ja sagen kann. Ja zum Beispiel zu meinem Beruf, zu meinem "Stand", zu meinen Gaben, Talenten und Grenzen.

Gottes Ja zu mir befähigt mich, dass auch ich Ja sagen kann, Ja auch zu Vertrautem. Es muss nicht immer alles neu und anders sein.

Durchaus kritisch beschreibt Lukas, der Autor der Apostelgeschichte, das Verhalten der Athener, bei denen Paulus auf ihrem Marktplatz, dem Areopag, predigte: "Alle Athener nämlich, auch die Fremden, die bei ihnen wohnten, hatten nichts anderes im Sinn, als etwas Neues zu sagen oder zu hören" (Apostelgeschichte 17,21). Nicht umsonst wurden in der Kirchengeschichte Irrlehren oft mit dem Wort neoterismós bezeichnet, "Neuerung". Wenn wir nämlich Neues außerhalb von Gottes Wort suchen und Gottes Wort als veraltet und überholt betrachten, dann bewegen wir uns unweigerlich von Gott weg, entfernen uns immer mehr von ihm und seinem guten Willen für unser Leben.

Das Wort "neu" kann nämlich in der Bibel durchaus einen unterschiedlichen Klang haben.

Uns sind gewiss die Bibelworte am meisten vertraut, in denen das Wort "neu" etwas Positives bedeutet. Immer dann wenn Gott Neues hervorbringt, Neues ans Licht treten lässt:

"Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht?" (Jesaja 43,19).

"Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben" (Hesekiel 36,26 - die Jahreslosung für 2017!).

Auch wenn Gott uns dazu aufruft, zu ihm umzukehren, einen neuen Anfang zu wagen:

"Pflüget ein Neues, solange es Zeit ist, den Herrn zu suchen" (Hosea 10,12).

In diesen Zusammenhang gehört auch das "neue Lied", das wir dem Herrn singen sollen (Psalm 98,1), die "neue Kreatur", die wir in Christus sind (2. Korinther 5,17), die Ankündigung des erhöhten Herrn: "Siehe, ich mache alles neu!" (Offenbarung 21,5).

Das alles ist Gottes gutes neues Ja, das er - immer wieder - zu uns spricht und auf das hin er unser immer wieder neues Ja erwartet.

Auch wenn die Stellen, in denen das Wort "neu" positiv verwendet wird, bei weitem den größten Raum in der Heiligen Schrift einnehmen, so kann das Wort doch auch etwas Negatives bedeuten.

Dann nämlich, wenn das "Neue" darin besteht, das Anvertraute und Vertraute aufs Spiel zu setzen, es leichtfertig aufzugeben.

Dann warnt uns Gottes Wort davor und fordert uns auf: "Halte, was du hast, dass niemand deine Krone nehme!" (Offenbarung 3,11). Paulus ermahnt seinen Schüler und Mitarbeiter Timotheus: "Halte dich an das Vorbild der heilsamen Worte, die du von mir gehört hast, im Glauben und in der Liebe in Christus Jesus. Dieses kostbare Gut, das dir anvertraut ist, bewahre durch den Heiligen Geist, der in uns wohnt" (2. Timotheus 1,13-14). Darum: "Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken; denn er ist treu, der sie verheißen hat …" (Hebräer 10,23). Insbesondere sollen wir nicht entgegen Gottes Wort "Neues" suchen, sondern an der Heiligen Schrift festhalten: "Du aber bleibe bei dem, was du gelernt hast und was dir anvertraut ist; du weißt ja, von wem du gelernt hast und dass du von Kind auf die Heilige Schrift kennst, die dich unterweisen kann zur Seligkeit durch den Glauben an Christus Jesus" (2. Timotheus 3,14-15).

Gutes neues Ja! - Wenn ich dir heute Abend ein "gutes neues Ja" (ohne ‚hr' am Schluss) wünsche, dann heißt das vor allem: Sage Ja zu Jesus Christus, in dem auf alle Verheißungen Gottes das Ja ist. Vertraue dich ihm an, alle Tage des neuen Jahres. Und sage bewusst immer wieder dein gutes Ja (ohne ‚hr' am Schluss) zu Gottes Wegen, die er dich führt. Dann wird es auch ein gutes neues Jahr (mit ‚hr' am Schluss) - ein gutes neues Jahr 2017.

Amen.

Die Kirchengemeinde Eysölden wünscht eine gesegnete Silvesternacht!