Predigttext und Predigt zum 3. Advent - 11. Dezember 2016.

Den Gottesdienst hielt Pfarrer Thomas Lorenz.

Das Wochenlied: EG 10;

Titel: Mit Ernst, o Menschenkinder

Der Predigttext ist mit freundlicher Genehmigung des Verlags entnommen aus:
Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers in der revidierten Fassung von 1984,
durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung.
© 1999 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart.
Alle Rechte vorbehalten.
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der Genehmigung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland.


Predigttext: Lukas 3,1-14 (wird während der Predigt verlesen)

Es gilt das gesprochene Wort!


LLiebe Gemeinde!

"Im Jahr 2016, als Angela Merkel die Geschicke des deutschen Volkes bereits 11 Jahre lenkte und Horst Seehofer als Ministerpräsident in München weilte, als Herbert Eckstein Landrat und Georg Küttinger Bürgermeister war - da geschah das Wort Gottes zu Hans. Der stellte sich daraufhin auf den Hauptmarkt in Nürnberg, taufte die Leute im Schönen Brunnen und erzählte allen lauthals von Gott und seinem Gericht - so, dass jeder mit den Ohren schlackerte."

Würdet ihr hingehen, liebe Gemeinde? Würdet ihr hinhören? Ich vermute, wir winken bei solchen selbsternannten Endzeitpropheten eher ab. Heute seid ihr jedenfalls nicht nach Nürnberg auf den Hauptmarkt gefahren, auf dem ja zurzeit Christkindlesmarkt ist, sondern ihr seid in die Kirche gekommen. Und jetzt bekommt ihr aus dem Lukas-Evangelium Folgendes zu hören:


Im fünfzehnten Jahr der Herrschaft des Kaisers Tiberius, als Pontius Pilatus Statthalter in Judäa war und Herodes Landesfürst von Galiläa und sein Bruder Philippus Landesfürst von Ituräa und der Landschaft Trachonitis und Lysanias Landesfürst von Abilene, als Hannas und Kaiphas Hohepriester waren, da geschah das Wort Gottes zu Johannes, dem Sohn des Zacharias, in der Wüste. Und er kam in die ganze Gegend um den Jordan und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden, wie geschrieben steht im Buch der Reden des Propheten Jesaja (Jesaja 40,3-5): "Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn und macht seine Steige eben! Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden; und was krumm ist, soll gerade werden, und was uneben ist, soll ebener Weg werden. Und alle Menschen werden den Heiland Gottes sehen."



1. Jesus den Weg bereiten - wer? (V. 1-6)


Ganz genau wird hier beschrieben, mit wem wir es hier zu tun haben: Johannes, Sohn des alten Priesters Zacharias. In seinem Pass steht bei Beruf: "Wegbereiter". Von Geburt an ist er dazu berufen, ein Prophet Gottes zu sein und Gott voranzugehen, um ihm den Weg zu bereiten. Welch eine ehrenhafte Aufgabe: ein Vorreiter, ein Pionier für Gott sein. Und nun ist es endlich so weit. Nach jahrelanger Vorbereitungszeit in der Einsamkeit geht es jetzt los. Es geschieht etwas. Das Wort Gottes "geschieht" zu Johannes. Er hat sich ganz auf Gott ausgerichtet, hat sich darin eingeübt, ihn zu hören - und nun hört er auf ihn. Kaiser Tiberius, Pilatus und wie sie alle heißen: Sie sind nicht die eigentlichen Herren dieser Welt. Es gibt nur einen Herrn, von dem sich Johannes etwas sagen lässt. Es gibt nur einen Herrn, der die Geschichte lenkt, von dem alles kommt und auf den alles zuläuft - und für den setzt Johannes sein ganzes Leben ein. Johannes, der Wegbereiter: Er geht in die Gegend des Jordan, wo früher Sodom und Gomorra bei einem Feuerregen zerstört wurden. Er weist auf einen hin, der größer ist als er (evtl. Verweis auf die Darstellung in der Kunst, z. B. Grünewalds Isenheimer Altar). Er weist auf den hin, den er selbst im Namen trägt: hebräisch "Jochanan" = "Der Herr ist gnädig". Er predigt die Taufe der Umkehr zur Vergebung der Sünden.

Die Johannestaufe ist noch nicht die christliche Taufe auf den Namen des dreieinen Gottes. Sie ist eine rituelle Waschung, eine "Eintauchung": Wie bei unserer Taufe wäscht man sich nicht selbst, sondern Johannes reinigt die Menschen durch Untertauchen im Jordan. Damit sie vor Gott in Ordnung kommen, bevor Gott sichtbar kommt und alle Menschen sich vor ihm verantworten müssen.

Johannes, der Wegbereiter, eine unüberhörbare Stimme: Er predigt gute Botschaft: Umkehr ist nötig, aber Umkehr ist auch möglich. Er tut, was er tut, im Auftrag Gottes. Er hat seine Auftragsbeschreibung, neudeutsch "job description" aus dem Buch Jesaja: Als Stimme eines Predigers in der Wüste ruft er dazu auf, dem Herrn den Weg zu bereiten. Und dieses Jesaja-Wort ist ein Wort mitten hinein in unsere Zeit, in den Winter, der sich noch gar nicht eingestellt hat. Noch haben wir in diesem Winter gar nicht die Schneeberge am Straßenrand gesehen. Noch mussten wir uns noch nicht viel mit Schaufeln und Schippen oder Streuen abplagen. Aber wir wissen natürlich, was das heißt: Wege werden freigemacht.

Und nun ist da die Rede von einem Weg für Gott. Da ruft uns einer zu, dass es ein Ende hat mit einem Leben in Abhängigkeit und Schuld und Gottesferne. Dass etwas Neues beginnt. Dass Gott in Bewegung kommt. Dass Gott selbst sich auf den Weg macht. Da ruft uns einer auf, Gott den Weg zu bereiten wie einem Fürsten. Nicht nur Zuschauer zu sein, sondern jemand, der mit anpackt. Der hilft, den roten Teppich auszurollen.

Anpacken - das kann ich ja. Was tue ich nicht alles, um mich auf Weihnachten vorzubereiten. Oft ist damit viel Trubel, viel Geschäftigkeit verbunden. Ich bereite das Haus, die Wohnung, die Kerzen, den Baum, die Plätzchen, den Punsch, die Geschenke - aber bereite ich dadurch tatsächlich Gott den Weg zu mir, zu uns? Geht es mir bei alledem darum, dass Gott zu uns kommt? "Bereitet nicht einfach Weihnachten vor, sondern bereitet Gott den Weg zu euch" - so ruft uns Jesaja zu und so verkörpert es Johannes: "Lebt ganz im Advent: Macht euch bereit für das Kommen Gottes und für eine Begegnung mit ihm."

"Wir machen den Weg frei", so wirbt eine Bank - und meint unsere eigenen Wege. "Macht den Weg frei", ruft Jesaja - und meint den Weg Gottes zu uns.
Da sollen Berge und Hügel weichen und alles Krumme gerade werden, ja sogar alle Abgründe sollen aufgefüllt werden, damit der Weg Gott entspricht. Ich merke, dass es so etwas bei mir gibt: Dinge, die mir die Sicht auf Gott verstellen, die sich auftürmen vor mir wie ein Berg, den ich nicht abarbeiten kann. Krumme Dinge, die gegen Gott stehen und ihm im Weg sind. Abgründe, die ich am liebsten ausblende und nicht wahrnehme, weil sie mir zeigen, dass ich nicht bin, wie ich sein soll.

Johannes, der Wegbereiter: Er setzt sich mit allem, was er hat, dafür ein, dass "alle Menschen das Heil Gottes sehen". Dass alle Leute kapieren, was es mit Jesus auf sich hat, der zu uns kommt als Heiland und Retter. Jede Schlucht, jeder Berg und Hügel, alle Menschen - jeder überall soll es begreifen: Wenn Jesus kommt, geht es um die Rettung der gesamten Menschheit. Da geht es auch um mich und meine Loslösung von allem, was nicht recht ist und was nicht sein soll.

Jesus den Weg bereiten - darum geht es Johannes. Aber warum eigentlich? Das hören wir aus den nächsten Versen. Und Achtung: Ihr werdet vermutlich mit den Ohren schlackern …


Da sprach Johannes zu der Menge, die hinausging, um sich von ihm taufen zu lassen: Ihr Schlangenbrut, wer hat denn euch gewiss gemacht, dass ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet? Seht zu, bringt rechtschaffene Früchte der Buße; und nehmt euch nicht vor zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken. Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt; jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.



2. Jesus den Weg bereiten - warum? (V. 7-9)


Das ist doch typisch Kirche! Zorn, Buße, Axt am Baum, Feuer. Immer der moralische Zeigefinger, immer die Keule mit dem Gericht Gottes, dem wir nicht entrinnen können. Also wirklich! Und überhaupt: diese Anrede! Meint der mit "Schlangenbrut" etwa, dass wir das Böse, das am Anfang der Welt bei Adam und Eva als Schlange schon alles durcheinandergebracht hat, ebenfalls in uns tragen? Da komme ich in den Gottesdienst, weil Gott mir wichtig ist, bei allen Fragen, die ich vielleicht habe - und dann so was!

Aber ich halte nochmals inne. Ich lasse die Anfragen einmal zu. Ist da etwas dran? Wenn diese Welt nicht ins Leere, sondern auf Gott zuläuft, wenn er tatsächlich einmal sichtbar für alle vor der Tür steht, was gilt dann? Rechne ich eigentlich noch mit einer Letztverantwortung vor Gott für alles, was ich tue oder lasse? Kann es ein Zeichen seiner Wertschätzung sein, wenn er genau hinsieht, was ich mit meinem Leben anfange? Sicher: Bei mir ist weit nicht alles so, wie es sein soll. Da hätte ich schon gerne jemanden, der mir den Bauch krault oder auf die Schulter klopft und sagt, dass das alles schon irgendwie passt und in Ordnung geht. Gott tut das aber offenbar nicht. Er fordert mich heraus, selbst genau hinzusehen, damit durch ihn wirklich alles in Ordnung kommen kann.

Darum also soll ich ihn wohl nicht aus meiner kleinen und großen Lebensplanung ausklammern, sondern ihn da hineinkommen lassen und ihm dafür bei mir einen Weg bereiten.

Ich überlege weiter: Gehe ich davon aus, dass ich auf der richtigen Seite stehe? Wenn ja, warum? Weil ich getauft bin? Weil ich schon lange dabei bin? Es wäre ja wirklich einmal spannend, wenn mir jemand sagen würde, was an meinem Leben auf meine Beziehung mit Gott hinweist - und was nicht. Ich möchte schon etwas in Gottes Augen Sinnvolles aus meinem Leben machen und nicht entwurzelt sein, abgetrennt von ihm, der mir Leben schenkt und mich versorgt. Kann das dahinterstecken, wenn Johannes sagt: "Leute, horcht hin und handelt jetzt"?

Wenn ich ehrlich bin: Manchmal brauche ich es, dass mir jemand die Wahrheit in aller Deutlichkeit vor den Latz knallt und mich wachrüttelt. Ich merke, wie all diese Fragen in mir einen Weg für Jesus bereiten und ich neu zu ihm finde - und er zu mir …


3. Jesus den Weg bereiten - wie? (V. 10-14)


Die Worte von Johannes lassen die Leute nicht kalt. Sie wenden sich auch nicht empört ab. Im Gegenteil: Sie kommen ins Nachdenken. Sie tuscheln ganz aufgewühlt rechts und links miteinander: Was, wenn der recht hat? Wie kann es bei mir weitergehen? Was muss, was kann anders werden? Kurz: Wie kann ich Gott in meinem Leben einen Weg bereiten?


Und die Menge fragte ihn und sprach: Was sollen wir denn tun?
Er antwortete und sprach zu ihnen: Wer zwei Hemden hat, der gebe dem, der keines hat; und wer zu essen hat, tue ebenso.
Es kamen auch die Zöllner, um sich taufen zu lassen, und sprachen zu ihm: Meister, was sollen denn wir tun?
Er sprach zu ihnen: Fordert nicht mehr, als euch vorgeschrieben ist! Da fragten ihn auch die Soldaten und sprachen: Was sollen denn wir tun? Und er sprach zu ihnen: Tut niemandem Gewalt oder Unrecht und lasst euch genügen an eurem Sold!

Es ist ein Text für Praktiker, für alle, die etwas machen und anpacken wollen. Die Menge, die Zöllner, die Soldaten - alle fragen sie "Was sollen wir tun?". Ich weiß nicht, mit welcher Frage du im Moment hier bist. Vielleicht sehnst du dich ebenfalls nach einem praktischen Rat. Wie kann es weitergehen? Und was kannst du dafür tun, dass es in Gottes Sinn weitergeht?

Die Antwort des Johannes ist nicht kompliziert. Er sagt nicht: "Stellt euer Leben völlig auf den Kopf, gebt alles Bisherige auf, lasst euch taufen, geht wie ich in die Wüste und fastet Tag und Nacht". Die Antwort ist jeweils ganz einfach: 1. Wer hat, der gebe dem, der nicht hat. 2. Fordert nicht zu viel ein, sondern dem gesetzten Maß entsprechend. 3. Lasst euch an dem genügen, was ihr habt.

Es ist nichts Spektakuläres. Es geht einfach darum, das zu tun, wovon man durch die Bibel weiß, dass es richtig ist. Bibel lesen und das tun, was einem vor die Füße fällt. Als Banker, als Soldat oder Polizist, als Akademiker, als Hausfrau und hauptberufliche Betreuerin der eigenen Kinder, als Schüler, als Rentner. Einfach das tun, was Gott sagt - damit hat man ein Leben lang zu tun. Das geschieht also täglich, alltäglich. Wo wir mit Jesus rechnen. Wo wir seiner Art bei uns Raum geben. Einfach tun, was er sagt. Wenn wir das tun, bereiten wir ihm neu einen Weg in unser Leben. Dann kommt er bei uns durch. Und durch uns zu anderen. Darum: "Bereitet dem HERRN den Weg; denn siehe, der HERR kommt gewaltig" (Jesaja 40,3.10).

AMEN.

Die Kirchengemeinde Eysölden wünscht eine gesegnete Adventszeit!