Predigttext und Predigt zum 2. Advent - 4. Dezember 2016.

Den Gottesdienst hielt Pfarrer Thomas Lorenz.

Das Wochenlied: EG 6;

Titel: Ihr lieben Christen, freut euch nun

Der Predigttext ist mit freundlicher Genehmigung des Verlags entnommen aus:
Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers in der revidierten Fassung von 1984,
durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung.
© 1999 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart.
Alle Rechte vorbehalten.
Ein Nachdruck des revidierten Textes der Lutherbibel sowie jede andere Verwertung
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der Genehmigung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland.


Predigttext: Matthäus 24,1-14

Jesus ging aus dem Tempel fort und seine Jünger traten zu ihm und zeigten ihm die Gebäude des Tempels.
Er aber sprach zu ihnen: Seht ihr nicht das alles? Wahrlich, ich sage euch: Es wird hier nicht ein Stein auf dem andern bleiben, der nicht zerbrochen werde.
Und als er auf dem Ölberg saß, traten seine Jünger zu ihm und sprachen, als sie allein waren: Sage uns, wann wird das geschehen? Und was wird das Zeichen sein für dein Kommen und für das Ende der Welt?
Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Seht zu, dass euch nicht jemand verführe. Denn es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin der Christus, und sie werden viele verführen. Ihr werdet hören von Kriegen und Kriegsgeschrei; seht zu und erschreckt nicht. Denn das muss so geschehen; aber es ist noch nicht das Ende da. Denn es wird sich ein Volk gegen das andere erheben und ein Königreich gegen das andere; und es werden Hungersnöte sein und Erdbeben hier und dort. Das alles aber ist der Anfang der Wehen.
Dann werden sie euch der Bedrängnis preisgeben und euch töten. Und ihr werdet gehasst werden um meines Namens willen von allen Völkern. Dann werden viele abfallen und werden sich untereinander verraten und werden sich untereinander hassen. Und es werden sich viele falsche Propheten erheben und werden viele verführen.
Und weil die Ungerechtigkeit überhand nehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten. Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig werden. Und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen.

Es gilt das gesprochene Wort!


Liebe Gemeinde!

Wie sieht es in unseren Herzen aus, wenn wir an die Zukunft denken?

Gehören wir zu den Unbekümmerten, die sich über jeden neuen Morgen, über die Arbeit, über Freunde, anstehende Reisen und Erlebnisse freuen können? Gehören wir zu den Fröhlichen, die ohne große Sorgen durchs Leben gehen und Gott für alles Schöne und Wunderbare danken?

Oder gehören wir zu denen, die ängstlich nach vorne sehen, die Angst vor der persönlichen Zukunft haben - vor Krankheiten, Einsamkeit, Arbeitsverlust, vor Kriegen und Klimaveränderungen?


1. Endzeitthemen verkaufen sich gut

Was Jesus seinen Jüngern und uns sagt, ist nicht gerade beschaulich und adventlich.

Da müssen wir schon erschrecken, wenn wir seine Worte ernst nehmen.

Aber das will Jesus mit seiner Endzeitrede nicht. Er will uns damit nicht Angst machen. Er will uns im Advent aufrütteln und dafür sorgen, dass wir nicht vom Weg abkommen.

Jesus beansprucht seine Leitungs- und Führungsposition für unser Leben. Er bittet uns, in allem, was auf uns zukommt, mit unseren persönlichen Sorgen und Lebenskatastrophen, mit unseren Ängsten über die Zukunft, mit unserem Entsetzen über den Hunger in der Welt, die grausamen Kriege und Unterdrückungen, mit unserem Unverständnis über zum Himmel schreiende Ungerechtigkeiten zu ihm zu kommen. Uns an ihm festzuhalten, ist sein Aufruf, nicht in Panik zu geraten und losgelöst von ihm Lösungsmöglichkeiten zu suchen.

Wann wird das geschehen? Wenn Jesus doch darauf nur eine exakte Antwort geben würde! Es wäre die Sensation, wenn wir morgen in den Schlagzeilen der Medien verkündet bekämen: In 55 Tagen wird das Raumschiff Erde auseinanderbersten! Dann wüssten wir, woran wir sind, dann könnte man sich darauf einstellen, nochmals das Leben richtig genießen und in den letzten Tagen rechtzeitig noch die Kehrtwendung hin zu Christus bekommen - hoffentlich.

Stattdessen fordert uns Jesus auf: "Seht zu, dass euch nicht jemand verführe." Endzeitthemen verkaufen sich gut. Filme über die letzten Tage der Welt sind heute Kassenknüller. Mit der Verbreitung einer Weltuntergangsstimmung kann man leicht Aufsehen erregen.

Jesus hat die herzliche Bitte an uns, dass wir uns an seiner Botschaft ausrichten und uns nicht auf alles mögliche Gemurmel, nicht auf jede Attraktion, nicht auf leichtsinnige verführerische Parolen oder zunächst auch ganz einsichtige und vernünftig klingende Erklärungen einlassen. Wir sehen uns einer Schar von Endzeitspezialisten gegenüber, die ihre eigenen Vermutungen wissenschaftlich untermauern und öffentlich vertreten.


2. Wem wollen wir vertrauen?


Das sind doch die entscheidenden Fragen: Wem wollen wir vertrauen? An was wollen wir uns festhalten? Wir sind von so vielen geistigen und religiösen Verführern umgeben. Wie wollen wir Glaubensentscheidungen treffen? Vieles klingt verständlich und einsichtig, aber ist das auch der richtige Weg?

Es ist noch nicht lange her, da wurden die Europäer und Amerikaner in ihrem Denken und in ihrem Glauben von einer Weltanschauung des Materialismus geprägt, nach der die ganze Welt wie ein einziges Uhrwerk ablaufe.

Charles Darwin
hat Generationen mit seinen Veröffentlichungen beeinflusst, in denen er wissenschaftlich meinte, belegen zu können, dass es keinen Gott gebe, der die Welt in seinen Händen hält. Unabänderliche Naturgesetze würden den Ablauf unserer Welt bestimmen. Seine Lehre wirkte weit über die Naturwissenschaft hinaus.

Gott ist für überflüssig erklärt worden. Zu Gott beten wurde für absurd erklärt, weil es auf der anderen Seite keinen Ansprechpartner gebe.

Ist unsere Adventszeit von Naturgesetzen geprägt? Ist die Endzeit, von der Jesus spricht, eine naturwissenschaftliche und biologische Entwicklung, die ihm aus den Händen geglitten ist? Wenn das so wäre, kämen wir hier in der Kirche zusammen zu sentimentalen Versammlungen, die lediglich unsere Gefühlswelt beruhigen sollten.

Es ist für mich eine aufregende Beobachtung, wie zunehmend Naturwissenschaftler, Biologen und Physiker zu der Meinung kommen: Unsere Welt ist weder allein naturwissenschaftlichen Gesetzen noch irgendwelchen Zufällen überlassen. Als ein Vordenker hatte der amerikanische Chemiker Cressy Morrison, ein angesehener und bekannter Naturforscher (1888-1951), es so ausgedrückt: "Wir müssen uns in Ehrfurcht vor Gott beugen. Geschieht alles nur zufällig? Wer das denkt, versteht nicht die tiefe Absicht Gottes, unsere Welt, unser Leben bis zur Vollendung mit Jesus Christus in seinen Händen zu behalten."


3. An Christus bleiben bis zuletzt

Was mir jedoch an der Adventsansprache von Jesus große Sorge macht, ist sein Hinweis, dass die größten Gefahren für unser Leben von den falschen Propheten in unseren Kirchen und Gemeinden ausgehen. Das ist eine unerhörte Aussage.

Was für eine Versuchung steckt darin! Jesus warnt uns vor Leuten, die einen großen Zulauf haben. Ihr Kennzeichen ist der Anspruch überlegener, zeitgemäßer und moderner Auslegung der Christuswahrheit. Sie halten die Worte von der Wiederkunft von Christus und von Gottes Gericht über diese Welt für ein theatralisches Spektakel für ein modernes Märchen. "Vom ‚Jüngsten Gericht' sollte heute keiner mehr sprechen", schrieb ein Pfarrer in den "Nachrichten der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern" (Nr. 5/2015). Viele Theologen sind inzwischen der Meinung, dass die Vorstellung, Jesus würde am Ende der Zeit zurückkehren und über die Welt zu Gericht sitzen, unglaubwürdig sei. "Wer den Christen heute noch das Bekenntnis zumutet, Christus würde ‚wiederkommen, zu richten die Lebenden und die Toten' …, der handelt unverantwortlich" stellt er in seinem Artikel fest. Und im Deutschen Pfarrerblatt [11/2016, S. 635] verstieg sich ein Pfarrer zu der Behauptung: "Die Menschheit wird auf jeden Fall noch das Jahr 10.000 nach Christus erleben." Wie der sich da so sicher sein kann …?!

"Es werden sich viele falsche Propheten erheben und werden viele verführen."
Sie sehen in Gottes Geboten überholte Moralvorstellungen. Sie versuchen, den Forderungen des Zeitgeistes möglichst weit entgegenzukommen. Die Öffentlichkeit wird von dem Aufgebot ihrer Themen abhängig. Immer geht es um die sogenannte reine Lehre, so wie sie sie interpretieren. Mal streiten wir uns um die Friedensfrage und vermischen sie mit dem Auf- und Abrüsten von Waffensystemen. Mal streiten wir uns um die Segnung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften in der Kirche und beobachten, wie zunehmend Synoden und Kirchenleitungen neben der Ehe und Familie auch die Beziehungen von Mann und Mann und Frau und Frau gleichgestellt sehen wollen.

Es ist die Zeit der großen Verwirrung, der großen Verwechslung, in der man aus Angst vor dem Vorwurf, altmodisch, intolerant und konservativ zu sein, lieber die biblische Botschaft verleugnet, als Unterscheidungen zu wagen und sie auch zu sagen.

In dieser allgemeinen Verwirrung gibt es jedoch etwas Stabiles und Widerstandsfähiges: das Evangelium. Wie ein großes Dennoch, wie ein Ausrufungszeichen steht dieses tröstliche Wort in der Rede Jesu: Dieses Evangelium vom Reich Gottes gilt es in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker zu verkünden! Alle sollen das Evangelium von dem Kind, dem Gekreuzigten, dem auferstandenen und heute lebenden Jesus Christus hören. Es wird niemanden geben, der nicht das Angebot seines Evangeliums erhalten hat. Warum alle? Damit sich niemand fürchten muss, wenn Jesus Christus wiederkommt: "Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig werden" (V. 13). Beharren heißt hier einfach: an Jesu Wort festhalten, sich nicht verführen lassen, bei ihm bleiben bis zuletzt.

So dürfen wir doch heute am 2. Advent voller Freude auf die zweite Ankunft von Jesus sehen. Auch in unruhigen Zeiten wollen wir bei ihm bleiben, auch wenn wir schwach werden und der Boden unter uns erheblich schwankt, gerade dann wollen wir ihn bitten, dass seine Kraft in uns stark wird.

AMEN.

Die Kirchengemeinde Eysölden wünscht eine gesegnete Adventszeit!