77. "Leben live"-Gottesdienst, 16. Mai 2015
Der Gottesdienst wurde vorbereitet vom Gottesdienstteam. Die Predigt hielt Pfarrer Thomas Lorenz.

Die verwendeten Bibeltexte sind - soweit nicht anders angegeben - mit freundlicher Genehmigung des Verlags entnommen aus: Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers in der revidierten Fassung von 1984,
durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung.
© 1999 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart.
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Themenpredigt: "Aufblühen"

Es gilt das gesprochene Wort!



Es gibt Wörter, die lösen gute Gefühle bei uns aus, die tun einfach der Seele gut. "Aufblühen" ist so ein Wort - schon beim Aussprechen und Hören dieses Wortes geht einem das Herz auf!

Wenn jetzt im Frühling alles grünt und blüht, das ist alle Jahre wieder schön anzusehen.

"… und ein neuer Frühling folgt dem Winter nach" - das, was in einem geistlichen Volkslied (EG 596) im übertragenen Sinn gemeint ist, dürfen wir Jahr um Jahr wieder erleben, dass die Natur nicht tot und eingemottet und eingewintert bleibt, sondern dass die Bäume, Sträucher und Blumen immer wieder Knospen treiben und Blüten.

Wir kennen Redewendungen, die mit dem Blühen zu tun haben: Wir sprechen davon, dass jemand "in der Blüte seines Lebens steht". Wir reden von "Blütezeit" (wirtschaftlich, kulturell) …

Vorhin haben wir in den kurzen Geschichten gehört, was es so an "Aufblüh-Erfahrungen" gibt:

"Der blüht in seinem neuen Beruf voll auf …!"

"Bisher war sie eher ein Mauerblümchen, aber seit sie den kennengelernt hat, blüht die richtig auf …!"

Und dass eine Amaryllis gleich 24 Blüten hat, ist durchaus nicht alltäglich, das mag im ganzen Leben dieser Pflanze nur selten passieren.

Schon die Pracht einer einzigen Blume kann uns zum Staunen bringen. Jesus erwähnt das einmal ganz beiläufig, als er uns sagt: "Sorgt nicht um euer Leben!" Da bringt er das Beispiel der Lilien:

"Warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen" (Matthäus 6,25a.28f).

Es gibt Blüten, die sind so versteckt, dass ein Mensch sie nur selten zu Gesicht bekommt (in den Tiefen des Urwalds, auf den Höhen der Berge, in der Tiefsee [in völliger Dunkelheit und so tief, dass kein Mensch dorthin gelangt] …). Da kann man sich schon fragen, ob Gott der Schöpfer die geradezu verschwenderische Schön-heit der Schöpfung nicht auch für sich selber gemacht hat, einfach, um sich selber daran zu erfreuen. Psalm 104 spricht genau davon!

"Die Herrlichkeit des HERRN bleibe ewiglich, der HERR freue sich seiner Werke!" (V. 31).

Freilich ist die Blume in der Bibel auch ein Bild für die Vergänglichkeit des Menschen, sein Blühen in der Jugend, sein immer wieder Aufblühen, aber eben auch am Ende das Verblühen.

In Psalm 103 heißt es:

"Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blüht wie eine Blume auf dem Felde; wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da, und ihre Stätte kennet sie nicht mehr. Die Gnade aber des HERRN währt von Ewigkeit zu Ewigkeit über denen, die ihn fürchten, und seine Gerechtigkeit auf Kindeskind bei denen, die seinen Bund halten und gedenken an seine Gebote, dass sie danach tun" (V. 15-18).

Hier wird die Vergänglichkeit der Blumen der ewigen Gnade Gottes gegenübergestellt.

Und der Prophet Jesaja setzt die Vergänglichkeit der Blumen wie auch der Menschen dem unvergänglichen, ewigen Wort Gottes entgegen:

"Alles Fleisch ist Gras, und alle seine Güte ist wie eine Blume auf dem Felde. Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt; denn des Herrn Odem bläst darein. Ja, Gras ist das Volk! Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, aber das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich" (Kap. 43,6-8).

Die Rede vom Blühen und Verblühen des menschlichen Lebens hat freilich, so sehr sie zweifellos die Wirklichkeit beschreibt, auch immer etwas Melancholisches, Schwermütiges an sich.

Wem das zu trist ist, der mag sich stattdessen auf eine der schönsten Verheißungen über das Blühen in der Bibel "stellen" und sie immer wieder in Anspruch nehmen; sie steht in Psalm 92:

"Die gepflanzt sind im Hause des HERRN, werden in den Vorhöfen unsres Gottes grünen. Und wenn sie auch alt werden, werden sie dennoch blühen, fruchtbar und frisch sein, dass sie verkündigen, wie der HERR es recht macht; er ist mein Fels und kein Unrecht ist an ihm" (V. 14-16).

Eine Pflanze besteht nicht nur aus Blüten, sie hat auch Blattwerk und eine Wurzel. Ohne die gäbe es auch keine Blüten. Das Blattwerk mag ein Symbol sein für das, was mich umgibt: meine unmittelbare "Umwelt", die Menschen, in deren Mitte ich lebe. Und die Wurzel weist auf das hin, was mein Leben trägt, die Wurzel verbindet mich mit dem Ursprung, von dem das Leben kommt. Gut, wenn ich meine Wurzeln ausstrecke nach Gott, meinem Schöpfer, der mir das Leben geschenkt hat, von dem mein Leben kommt:

"Gesegnet … ist …, [wer] sich auf den HERRN verlässt und dessen Zuversicht der HERR ist. Der ist wie ein Baum, am Wasser gepflanzt, der seine Wurzeln zum Bach hin streckt. Denn obgleich die Hitze kommt, fürchtet er sich doch nicht, sondern seine Blätter bleiben grün; und er sorgt sich nicht, wenn ein dürres Jahr kommt, sondern bringt ohne Aufhören Früchte" (Jeremia 17,7f).

Mehr dazu morgen bei der Jubelkonfirmation …

Das ist ja paradiesisch! Ohne Aufhören Früchte bringen. Klingt das auch anstrengend? Gibt es nicht auch Zeiten ohne Blüte? So wenig das Jahr nur aus Frühling besteht, so wenig besteht doch unser Leben auch nicht nur aus Blüte und Blühen, oder?

Es ist wichtig festzuhalten, dass "Frucht bringen" in der Bibel - im Alten wie im Neuen Testament - etwas völlig anderes ist als "gute Werke". Frucht bringen ist nämlich nicht "machbar", Frucht kann ich nicht "machen", sozusagen aus mir "produzieren". Frucht entsteht nicht durch Anstrengung, durch Leistung, sondern allein durch Verbundensein mit der Wurzel und dem Boden.

Dann ist nämlich das "ohne Aufhören Früchte Bringen" keine Leistung, die durch Anstrengung erzielt wird. Es ist vielmehr ein Geschenk, das ich dankbar aus Gottes Hand nehmen kann.

Und es ist eine wunderbare Verheißung, die tatsächlich im wahrsten Sinne des Wortes "paradiesisch" ist, oder auch "himmlisch". Denn vom neuen Himmel und der neuen Erde, der neuen Welt Gottes, die die erwartet, die in diesem Leben ihr Vertrauen auf den lebendigen Gott setzen, erzählt der Seher Johannes:

"Er [ein Engel] zeigte mir einen Strom lebendigen Wassers, klar wie Kristall, der ausgeht von dem Thron Gottes und des Lammes; mitten auf dem Platz und auf beiden Seiten des Stromes Bäume des Lebens, die tragen zwölfmal Früchte, jeden Monat bringen sie ihre Frucht, und die Blätter der Bäume dienen zur Heilung der Völker" (Offenbarung 22,1f).

Wenn also tatsächlich das geschieht, dass wir "ohne Aufhören Früchte bringen", dann ist das der Himmel auf Erden, dann ist der lebendige Gott unter uns am Wirken.

Selbst das, was in unserem Leben nicht nach Blüte aussieht, kann durch Gottes Wirken zum Blühen kommen:

"Die Wüste und Einöde wird frohlocken, und die Steppe wird jubeln und wird blühen wie die Lilien. Sie wird blühen und jubeln in aller Lust und Freude. … Sie sehen die Herrlichkeit des Herrn, die Pracht unsres Gottes" (Jesaja 35,1f).

Hören wir jetzt noch eine Geschichte vom Blühen. Und zwar noch einmal in einem ganz besonderen Sinn.

( Das Rosenwunder der hl. Elisabeth von Thüringen )


Die blühenden Rosen zeigen: Das, was Elisabeth für die Armen getan hat, ihre Barmherzigkeit und Milde, gefiel Gott so gut, dass er auf besondere Weise ihr Wirken bestätigen wollte und das Brot in Rosen verwandelte. Ob das tatsächlich so passiert ist, ist völlig zweitrangig. Denn die Rosen sind allemal ein Symbol der Liebe. Und Liebe war es, die Elisabeth dazu brachte, täglich von der Wartburg zu den Scharen der Bettler hinabzusteigen und mit milder Hand auszuteilen, was sie zum Leben brauchten.

Zum Schluss noch ein paar Verse aus einem Psalm, in dem es auch ums Blühen geht. Allerdings nicht um das Blühen von Pflanzen oder von Menschen. Es ist vielmehr der Gebetswunsch des großen Königs Salomo. Salomo betet (Psalm 72,17-19):

"Des HERRN Name bleibe ewiglich;
solange die Sonne währt, blühe sein Name.
Und durch ihn sollen gesegnet sein alle Völker,
und sie werden ihn preisen.
Gelobt sei Gott der HERR, der Gott Israels,
der allein Wunder tut!
Gelobt sei sein herrlicher Name ewiglich,
und alle Lande sollen seiner Ehre voll werden!
Amen! Amen!"

Die Kirchengemeinde Eysölden und das Gottesdienstteam wünscht eine gesegnete Woche!