63. "Leben live"-Gottesdienst, 26. Januar 2013
Der Gottesdienst wurde vorbereitet vom Gottesdienstteam. Die Predigt hielt Pfarrer Thomas Lorenz.

Die verwendeten Bibeltexte sind - soweit nicht anders angegeben - mit freundlicher Genehmigung des Verlags entnommen aus: Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers in der revidierten Fassung von 1984,
durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung.
© 1999 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart.
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Themenpredigt: "Navi fürs Leben"

Es gilt das gesprochene Wort!



"Navi fürs Leben" - Ein Navi zu benutzen, ist für viele von uns selbstverständlich. Navis geleiten viele tagtäglich sicher ans Ziel.

Noch vor 10 bis 15 Jahren kannte man kaum Navis, zumindest nicht für Privatleute in normalen Pkws: Verirrte Alleinreisende machten Halt an der nächsten Raststätte, fragten nach dem Weg und blätterten im Atlas. War ein Beifahrer an Bord, herrschte dagegen Arbeitsteilung: Der Fahrer steuert das Fahrzeug, der Beifahrer schaut in der Karte nach. Spätestens wenn die zweite Ausfahrt aus Unachtsamkeit verpasst wurde, wurde lautstark gestikuliert und herumgebrüllt. Zumindest hier darf man den Navis einen großen Vorsprung nicht absprechen: Seitdem eine sanfte Frauenstimme "In 100 Metern links abbiegen" haucht, herrscht Ruhe in den Autos. Wirklich? Das Anspiel hat gezeigt, dass es nicht immer so sein muss … Es gibt allerdings auch darüber hinaus verschiedene Nachteile, die an die guten, alten Atlas- und Straßenkartenzeiten erinnern.

Zu den größten Nachteilen gehört die Tatsache, dass der Fahrer an fremden Orten nur noch auf die Anweisungen des Navis achtet. Durch den Komfort der virtuellen Karte besteht überhaupt keine Notwendigkeit mehr, sich beispielsweise Straßennamen oder markante Wegpunkte zu merken. Das Ergebnis: Die Orientierung stumpft ab - fällt das Navi einmal aus, ist der Fahrer komplett verloren. Nicht zuletzt aus diesem Grund sollten man trotzdem immer eine vollwertige Straßenkarte im Türfach liegen haben. Davon abgesehen besteht immer wieder die Gefahr, dass sich Fahrer vom Navi einen Tick zu lange ablenken lassen und nicht mehr vorausschauend fahren.

Ein Navi fürs Leben, das wäre doch was. Ein Navi also, das nicht nur die Straßen, auf denen wir mit dem Auto unterwegs sind, oder auch die Fußwege, die wir wandern, genau ansagt, sondern uns auch hilft, den richtigen Lebensweg zu gehen und richtige Entscheidungen im Leben zu treffen.

Wenn wir an die Bibel denken, dann kommen uns vielleicht zwei göttliche Navis in den Sinn.

Das ist einmal im Alten Testament das "Navi", das das Volk Israel nach seiner Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten den Weg durch die Wüste ins verheißene Land lotste. Da hat sich Gott etwas Besonderes einfallen lassen: eine Wolkensäule am Tag und eine Feuersäule in der Nacht. Im 2. Buch Mose lesen wir: "Und der Herr zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten. Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage noch die Feuersäule bei Nacht" (2. Mose 13,21f). Noch mehr als tausend Jahre später (445 v. Chr.) erinnert sich Nehemia daran und betet: "Herr, du hast sie [unsere Väter] geführt am Tage in einer Wolkensäule und des Nachts in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten auf dem Wege, den sie zogen" (Nehemia 9,12).

Von dem zweiten "Navi", das in der Bibel eine herausgehobene Bedeutung hat, haben wir erst vor wenigen Tagen wieder gehört. Es ist der Stern, der die Weisen aus dem Morgenland zu Jesus, dem neugeborenen König der Juden, hingeführt hat. Es war kein Stern im herkömmlichen astronomischen Sinne, sondern eine besondere außergewöhnliche leuchtende Himmelserscheinung, die sich Gott selbst für die Geburt seines Sohnes Jesus Christus ausgedacht hat, die sich bewegt und den weitgereisten Gelehrten den Weg zur Krippe wies.

Interessant ist, dass beide biblischen "Navis" auf der Grundlage von Licht funktionieren. Sie erinnern deshalb doch weniger an ein Navi im Auto als vielmehr an die sog. "Befeuerung", mit der ein Kapitän die richtige Richtung findet, die sowohl in der Schifffahrt als auch in der Luftfahrt eine wichtige Rolle spielt: Leuchtfeuer und Leuchttürme etwa oder die sog. Befeuerung am Anfang und Ende einer Landebahn.

Jesus sagt von sich: "Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben" (Johannes 8,12). Es ist das zweite "Ich bin"-Wort.

Jesus verwendet sehr starke Bilder, um zu beschreiben, wer er ist. Er legt großen Wert darauf, dass die Menschen verstehen, was er für ihr Leben bedeuten kann, und aus welchem Grund er gekommen ist. Nur der Apostel und Evangelist Johannes, der "Lieblingsjünger" oder genauer: der Jünger, "den Jesus lieb hatte" (Johannes 13,23; 19,26; 20,2; 21,7.20), überliefert uns diese starken Bildreden von Jesus, die sieben "Ich bin"-Worte. In diesen Beschreibungen wird nicht nur spürbar, wer Gott bzw. Jesus ist, sondern vor allem wie er ist und was das für unser Leben bedeutet.

Heute also geht es um Jesus, das "Licht der Welt". Grund genug, sich einmal näher mit dem Thema "Licht" zu beschäftigen. "Licht" hat ja viele Funktionen, auch wie es in der Bibel beschrieben wird. Wir wollen uns heute auf Licht als Wegweiser und Navi konzentrieren. Trotzdem müssen wir zunächst ein bisschen ausholen …

Unter "Tohuwabohu" verstehen wir vielleicht die Unordnung in einem Zimmer, auf einem Schreibtisch oder einer Werkbank. Aber der Begriff taucht schon am Anfang der Bibel auf: In 1. Mose 1, Vers 2 wird damit der "wüste und leere" Urzustand des Universums voller Finsternis und Unordnung beschrieben: "tohu wa bohu". Doch das ändert sich, als Gott das Licht schafft. Das Universum wird ausgeleuchtet und im Schöpfungshandeln verwandelt sich eine Welt der Finsternis und Unordnung in eine Welt, die das Prädikat Gottes "sehr gut" verdient. Dennoch bleibt quer durch die Bibel und Menschheitsgeschichte diese Polarität zwischen Licht und Finsternis, Gut und Böse. Die Finsternis steht für all die Schrecken, die das Licht scheuen und unter dem Mantel der Nacht ihr Unheil treiben. Der Tag steht mit seinem Licht für das Helle, die Wahrheit und Geborgenheit.

Bis hinein in unsere Bestseller und Hollywoodstreifen erleben wir die Duelle zwischen dunklen Mächten und heldenhaften Lichtgestalten. Die Finsternis steht nicht nur bei "Der Herr der Ringe" für das Verderben, das über das Land kommt, sondern auch in vielen anderen Geschichten. Licht und Finsternis duellieren sich auch in unserem Leben, in unserem Herzen. Darum braucht es eine klare Entscheidung, ob wir dem Licht der Welt folgen und somit selbst zum Licht für andere werden, oder ob wir in der Finsternis des Lebens bleiben wollen.

Als Jesus geboren wird, wird das Licht der Welt geboren. Es ist fast wie die Neuschaffung der Welt. Das Licht kommt in das "Tohuwabohu" der Welt und ihrer Menschen, um ans Licht zu bringen, was falsch und faul ist, und um es zu heilen und zu retten.

Am Anfang des Johannes-Evangeliums wird beschrieben, wie Jesus als das Licht der Welt in die Finsternis kommt, um sie zu erhellen. Aber die Finsternis scheint es zu ersticken, nimmt die Chance ganz Licht zu werden nicht an (Johannes 1,4.5). Denen aber, die das Licht aufnehmen, geht das Licht zu einem echten und wahren Leben auf. Sie erkennen die Wahrheit über ihr Leben, sie kehren der Finsternis den Rücken, um fortan dem Licht zu dienen. In der Todesstunde Jesu, mitten am helllichten Tage, verdunkelt sich der Himmel zur schwärzesten Stunde, als hätte die Finsternis ihren größten Sieg errungen. Tatsächlich aber zerreißt der Tod Jesu die letzte und tiefste Finsternis: den Tod selbst. Ihre Macht wird genommen, das Licht gewinnt.

Das Licht der Welt bringt die Wahrheit ans Licht. Als Männer eine Frau "in flagranti" beim Ehebruch erwischen (Johannes 8,1-11), da werfen sie sie vor Jesus zu Boden. Ihre Gesichter sind erzürnt und ihre Hände umfassen Steine, zum Todeswurf auf diese Frau bereit. Sie ist nur noch einen Steinwurf von ihrem Tod entfernt. Das Gesetz wollte es so, oder? Jesus wird herausgefordert. Was wird er tun? Er schreibt in den Sand. Wir wissen nicht was, aber es scheint Bedeutung zu haben. Ganz sicher schreibt er die Frau nicht ab, aber vielleicht den Klägern etwas ins Gewissen? Er sagt: "Wer ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein." Die Steine fliegen nicht, töten nicht, stattdessen tropfen sie nach und nach zu Boden. Hasserfüllte, zornige Männer werden vom Licht der Welt in ihre eigene Wahrheit geführt. Der Geist Gottes bringt in ihnen ans Licht, was an eigener Schuld verborgen war. Sie können gar nicht anders, als die Steine und das Todesurteil fallen zu lassen. Im Gespräch mit der Frau wird ihre Tat nicht schön geredet; ihre Schuld nicht übertüncht. Auch sie wird von Wahrheit erfüllt und hört bewusst Jesu Worte: Und nun sündige nicht mehr - tue nichts mehr, was dich bewusst von Gott trennt, sondern suche die Gemeinschaft mit dem Licht, So wirst du als Licht zum "Wahr-Zeichen" in deinem Ort.

Genau im Anschluss an diese Geschichte sagt Jesus: "Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben" (Johannes 8,12).

Wenn Menschen geboren werden, dann - so sagt man - erblicken sie das Licht der Welt. Doch wenn Menschen in Jesus das wirkliche Licht der Welt erkennen, werden sie neu geboren, mit einer neuen Hoffnung und einem kraftvollen Licht, das von innen nach außen scheint.

Bist du schon einmal bei absoluter Dunkelheit gewandert? So richtig dunkel? Das ist schon eine echte Herausforderung. Da tut es gut, wenigstens das Licht der Sterne oder entfernter Häuser zu haben, um sich zumindest etwas orientieren zu können. Das gilt natürlich auch für unseren Lebensweg. Manchmal sitzen wir im Loch und wir können keinen (Aus-)Weg erkennen. Manchmal sind wir voller Fragen und sehen nicht, welchen nächsten Schritt wir tun können. Manchmal scheint sich alles gegen uns verschworen zu haben und wir sitzen in der tiefsten Dunkelheit, die wir je erlebt haben - ohne jede Hoffnung, ohne jedes Licht. Uns fehlt das Licht am Ende des Tunnels.

Besonders in den Psalmen werden diese Lebensfragen aufgegriffen von Menschen, die erkennen möchten, welcher Weg dran ist, welcher Weg gut ist. Dort reden Menschen über ihre Erfahrung mit Gott: "Der Herr ist mein Licht und mein Heil" (Psalm 27,1); "In deinem Licht, Herr, sehen wir das Licht" (Psalm 36,10) oder "Herr, dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg" (Psalm 119,105). Es war, wie wir bereits hörten, das Licht der Feuersäule Gottes, das das Volk Israel in den Wüstennächten auf gutem Weg führte. Es war der Stern Gottes, der die weisen Männer zur Krippe Jesu führte.

Menschen suchen nach "Erleuchtung". Die Bibel sagt: "Erleuchtung" findet sich bei dem, der sagt: "Ich bin das Licht der Welt". Bei ihm geht uns ein Licht auf, weil uns der Geist Gottes zur Erkenntnis führt; uns hilft, im Dunkel und Wirrwarr des Lebens den richtigen Weg zu finden. Wir müssen nicht mehr in der Finsternis laufen, sondern dürfen dem Licht folgen (Johannes 8,12).

Der Kirchenvater Clemens von Alexandria (~150-215) hat einmal gesagt: "Die Sterne sind mir verblichen, seit mir in Christus die Sonne aufgegangen ist."

So haben wir in Jesus Christus tatsächlich ein Navi fürs Leben. Wenn wir ihm vertrauen und seiner Führung uns anvertrauen, dann können wir etwa mit König David beten: "Weise mir, Herr, deinen Weg, dass ich wandle in deiner Wahrheit; erhalte mein Herz bei dem einen, dass ich deinen Namen fürchte." (Psalm 86,11). Und dann werden wir es erleben, wie er uns den Weg zeigt, den wir gehen sollen. Das Versprechen Gottes aus Psalm 32 gibt Jesus jedem, der ihm, dem Licht der Welt, nachfolgt: "Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst; ich will dich mit meinen Augen leiten" (Psalm 32,8). Und das macht uns dankbar: David betet weiter: "Ich danke dir, Herr, mein Gott, von ganzem Herzen und ehre deinen Namen ewiglich. Denn deine Güte ist groß gegen mich …" (Psalm 86,12.13).

Freilich wird es auch dann nicht ausbleiben, dass wir immer wieder einmal falsche Wege wählen oder uns nicht hundertprozentig sicher sind, was der richtige Weg ist. Dann kann uns das Navi im Auto auch eine Illustration geistlichen Lebens sein.

Das Navi schaut immer nach vorne und niemals zurück. Eine verpasste Abbiegung wird nicht thematisiert, sondern "eine neue Route berechnet", und es geht weiter. Sicher - es lässt sich nicht leugnen, dass sich die voraussichtliche Ankunftszeit um 20 Minuten nach hinten verschoben hat. Damit muss ich jetzt leben. Aber das Navi macht es mir nicht schwerer, als es sowieso schon ist. Es gibt keine fruchtlosen Diskussionen darüber, wie viel besser es gewesen wäre, auf dem Weg von Nürnberg nach Landshut am Dreieck Holledau die A 93 statt am Kreuz Neufahrn die A 92 zu nehmen … Jetzt bin ich, wo ich bin, und bekomme die für die bestehende Situation beste Anweisung und Führung.

Wenn es in deinem Leben einen Punkt gibt, an dem du definitiv nicht den Weg gegangen bist, den du hättest gehen sollen, oder wenn du immer wieder nicht genau weißt, was richtig ist - dann lass dir das Navi ein modernes Gleichnis sein: Wenn du anders abgebogen bist, als es optimal gewesen wäre, dann schwenkt Gott sofort auf die neue Situation um und bereitet einen neuen Weg vor. Es kann sein, dass du später ankommst als es möglich gewesen wäre und dass der neue Weg mühsamer ist als der, den du hättest gehen können. Manchmal müssen wir die Konsequenzen tragen, wenn wir nicht hören wollten. Vielleicht muss es Buße geben und ein Loslassen dessen, was dich zur falschen Entscheidung bewogen hat. Aber damit ist das Vergangene dann auch erledigt, und es geht unter Gottes Schutz und Leitung vorwärts. Auch auf der neuen Route schickt Gott im Fall einer Panne den ADAC - nicht die "gelben Engel", sondern "seine Engel"! Er erhört dort deine Gebete um das rechtzeitige Erreichen einer Tankstelle nicht weniger, als er es auf der ursprünglich vorgesehenen Straße getan hätte.

Ein Navi fürs Leben - mit Jesus, dem "Licht der Welt", haben wir es! Gott sei Dank.

Die Kirchengemeinde Eysölden und das Gottesdienstteam wünscht eine gesegnete Woche!