4. "Leben live"-Gottesdienst, 14. Dezember 2002
Der Gottesdienst wurde vorbereitet vom Gottesdienstteam. Die Predigt hielt Pfarrer Thomas Lorenz.

Der Predigttext ist mit freundlicher Genehmigung des Verlags entnommen aus:
Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers in der revidierten Fassung von 1984.
© 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
Alle Rechte vorbehalten.
Ein Nachdruck des revidierten Textes der Lutherbibel sowie jede andere Verwertung in elektronischer oder gedruckter Form oder jedem anderen Medium bedarf der Genehmigung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland

Themenpredigt: "Macht doch mal das Licht an!"


Es gilt das gesprochene Wort!


Tja, so kann es gehen. Licht ist eben doch kein Luxus, sondern notwendig. Ohne Licht würden wir dauernd stolpern und hinfallen. Aber mit der Aufforderung "Nun macht doch endlich Licht!" ist es offenbar auch nicht getan. "Ja, Mann, so einfach ist das doch nicht. Wir reden doch schon die ganze Zeit, wie man das machen könnte."

Und dann kann man ja ziemlich "Unterschiedliches" mit dem Wort "Licht" verbinden. Dem einen reicht das Licht einer kleinen Kerze, einem anderen ist ein hell erleuchteter Raum gerade recht genug. Gerade die Adventszeit und der Adventskranz machen ja sehr anschaulich deutlich, daß es in der Helligkeit eben schon einen Unterschied macht, ob eine, zwei, drei oder vier Kerzen brennen, oder ob ein ganzer Christbaum in hellem Glanz erstrahlt.

Aber auch wenn eine Kerze bereits ausreicht, das Dunkel eines Raumes zu durchbrechen - da gibt es Leute, die dieses Licht dann ganz für sich haben wollen, die dieses Licht sorgsam abschirmen, damit nur ja kein Lichtstrahl jemand anderen um sie herum erfassen kann. Der "Zwischenrufer" hat ja recht gehabt, als er den Satz "Ja, aber wir haben doch jetzt Licht gemacht" mit der Bemerkung zurückgibt: "Aber doch nur für euch!"

Jesus sagt: "Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht mehr in der Dunkelheit umherirren, sondern folgt dem Licht, das ihn zum Leben führt." (Joh 8,12 LÜ/HfA). Damit ist klar: Menschen brauchen Jesus so nötig wie das Licht. Ohne Licht kein Leben. Das lernen unsere Kinder im Biologie-Unterricht in der Schule, und das ist auch jedem von uns ziemlich klar. Was für das Leben allgemein recht unumstritten ist, führt doch bei Jesus als dem Licht der Welt immer wieder zum Widerspruch. Wenigstens bei denen, die sich mit dieser Aussage auch auseinandersetzen, die also nicht in kalter Gleichgültigkeit jede Diskussion für überflüssig halten.

Denn wenn man darüber nachdenkt, dann ist das schon eine ungeheure Aussage, dann ist der Anspruch, den Jesus hier erhebt, wirklich gewaltig. Er sagt ja damit: Er ist das einzige Licht, das diese Welt hat. Und jeder, der nicht ihm, Jesus Christus, nachfolgt, irrt in der Dunkelheit umher und wird am Ende in dieser Dunkelheit bleiben. Wir müssen da schon ganz genau hinhören. Wir haben uns manchmal schon so an Bibelverse gewöhnt, daß wir ihre "Anstößigkeit", ihre ungeheure Provokation gar nicht mehr wahrnehmen.

Wenn Jesus diesen Satz in einen dunklen Raum hineingesprochen hätte und es plötzlich hell geworden wäre, dann wäre wohl mancher bereit gewesen, das zu glauben. Aber Jesus hat das ganz unabhängig von der Situation gesagt. Und er hat es gesagt in einer Welt, die von Abertausenden und Millionen Lichtern scheinbar erleuchtet ist. Und ich denke dabei sowohl an die Lichter im wörtlichen Sinn als auch an die angeblichen Lichter im übertragenen Sinn (Religionen, Heilslehren, Idole uvm.). Jesus mutet uns damit zu, alle diese Lichter zu ignorieren, sie eigentlich gar nicht für Lichter zu halten, sondern für eine Täuschung, weil nur ER das wahre Licht ist. Wir müssen uns mit diesem Wort auseinandersetzen, uns vielleicht an ihm reiben, eines aber dürfen wir nicht, obwohl es so viele tun: nämlich es relativieren, verharmlosen, ihm die Spitze nehmen. Denn wenn das nicht wahr wäre, kann es ja nur zwei Möglichkeiten geben: Entweder ist Jesus verrückt, oder er ist ein Lügner.

Viele meinen: Es geht auch ohne Gott. Ja, es stimmt: "Es geht ohne Gott"; aber wohin es geht, ist auch klar: "Es geht ohne Gott in die Dunkelheit" ...

Wer nun aber für sich erkannt hat, daß Jesus tatsächlich das Licht der Welt ist, das Licht, das auch mein Leben hell machen will, der wird ihm, Jesus, sein Leben anvertrauen, ihm alle seine Dunkelheit hinhalten, damit er von diesem Licht der Welt, Jesus Christus, ganz erfaßt wird. Und es ist wirklich ein Wunder, ein Geschenk Gottes, wenn ein Mensch dies erkennen darf und dadurch sein Leben neu wird. Wenn er dadurch Christ wird, ein "Kind des Lichts" (Joh 12,36).

Doch viele Christen verhalten sich dann wie die zwei, die sich um die Kerze stellen, aber mit ihren Körpern die Kerze völlig verdecken: "Wie gut, daß wir die Kerze haben. So ist es doch viel gemütlicher." Jesus Christus, das Licht der Welt, für sich gefunden zu haben, ist das Eine. Dieses Licht aber dann ganz für sich behalten zu wollen, das ist nicht "im Sinne des Erfinders", nicht im Sinne des "Vaters des Lichts" (Jak 1,17), nicht im Sinne von Jesus Christus, dem "Licht der Welt".

Und so ist es kein Zufall, daß Jesus auch diesen anderen Satz gesagt hat: "Ihr seid das Licht der Welt" (Mt 5,14). Das Licht der Welt, Jesus Christus, können wir also nicht für uns behalten, wir sind ausdrücklich dazu berufen, selber Licht der Welt zu sein, Jesus Christus durch uns scheinen zu lassen. Jesus traut das seinen Leuten also zu, es ist für ihn sogar geradezu so selbstverständlich, daß er nicht sagt: "Seid doch bitteschön Licht der Welt!" oder "Ihr sollt das Licht der Welt sein!" Nein, er sagt ganz einfach und ohne jede Einschränkung zu seinen Leuten: "Ihr seid das Licht der Welt."

Beides gehört also zusammen. "Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir!" (Jes 60,1) Laß dich hell machen von dem Licht, das Gott uns gibt, von Jesus Christus, dem Licht der Welt. Und wenn du hell bist, dann kann das eigentlich gar nicht verborgen bleiben. Wenn du nicht absichtlich ein Decke über dieses Licht wirfst, dann bleibt es sichtbar, daß du leuchtest, weil du vom Licht der Welt erfaßt und erfüllt bist. Doch ganz so einfach ist es nicht.

Denn dieses Licht wird leider trotzdem immer wieder verdeckt. Immer wenn wir etwas denken, tun oder reden, was nicht im Einklang mit Jesus steht, verdunkelt sich unser Licht, verliert das Licht der Welt für andere an Strahlkraft. Nicht, daß wir es falsch verstehen: Jesus, das Licht der Welt, bleibt immer gleich leuchtend und strahlend, aber unser "Lampenschirm" wird verdreckt und läßt das Licht immer schwächer durchscheinen. Sehr treffend bezeichnet die Bibel all die Dinge, die unser Licht schwächer werden lassen, als "Werke der Finsternis" (z. B. Röm 13,12).

Leider sind diese Verschmutzungen aber nicht einfach mit einem feuchten Tuch zu entfernen, man braucht dazu ein Spezial-Reinigungsmittel, eines, das es nicht beim "Schlecker" zu kaufen gibt. Johannes sagt es in seinem Brief: "Wenn wir im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft untereinander, und das Blut Jesu, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde" (1. Joh 1,7).

Wir kriegen unseren Lampenschirm also nicht sauber, indem wir möglichst fest schrubben (davon geht eher der ganze Schirm kaputt ...), sondern nur durch das Blut Jesu. Das heißt: Nur dadurch, daß Jesus am Kreuz gestorben ist, müssen sich unsere "Werke der Finsternis" nicht dauerhaft in unseren Lampenschirm einbrennen, sondern alle Verschmutzungen werden von ihm beseitigt. "Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit" (1. Joh 1,9). Sünde verdunkelt das Licht, aber Jesus reinigt unsere Lampenschirme, wenn wir ihm bekennen, was unser Licht verdunkelt.

Deshalb ist Vergebung so wichtig. Die Vergebung unserer Schuld ist nämlich nicht nur für uns selber von Nutzen, sondern auch für andere: Dadurch wird unser Lampenschirm wieder sauber, damit andere auch das Licht der Welt erkennen, das in uns leuchtet: Jesus Christus.

Wir wollen jetzt miteinander ein Lied singen, einen Kanon: "Mache dich auf und werde licht; denn dein Licht kommt" ...

Während alle das Lied singen, könnt ihr vorgehen, euch ein Teelicht nehmen, es anzünden und auf den kleinen Tisch stellen ...

Einige Fragen, die uns helfen können und die wir uns beim Anzünden und Hinstellen des Teelichtes stellen können:
Habe ich mich schon von Jesus, dem Licht der Welt, erleuchten lassen?

Was verdunkelt mein Licht, was verschmutzt meinen Lampenschirm, so daß andere das Licht nicht mehr erkennen können?

Wo kann und möchte ich einen Beitrag dazu leisten, daß es in unserer Welt heller wird, wo möchte ich Jesus durch mich für andere leuchten lassen?

Die Kirchengemeinde Eysölden wünscht einen gesegneteSonntag!