Samstgsabendgottesdienst am 09. 03. 2002 in der Kirche.

Thema: "Freude steckt an"


Es gilt das gesprochene Wort!


Eigentlich müßte das mit der Freude doch eine ganz einfache Sache sein! Wenn man sich beispielsweise Werbeanzeigen oder Werbespots ansieht, dann gibt es da fast nur fröhliche Menschen, Menschen, die übers ganze Gesicht strahlen, die einfach glücklich sind. Aber wenn man sich dann beispielsweise Menschen ansieht, die in einer Fußgängerzone unterwegs sind und sich nicht beobachtet fühlen, dann zeigt sich ein anderes Bild. Von "immer nur lächeln, immer vergnügt" ist da oft wenig zu sehen.

Wir alle kennen die klugen Sprüche wie: "Ein Lächeln kostet nichts und bewirkt viel." Solche Weisheiten können auch ganz "wissenschaftlich" daherkommen, womöglich mit Statistiken untermauert. Etwa: Menschen, die gerne lachen, leben länger. Dabei steht das schon längst in der Bibel (Sir 30,23)!

Zunächst ist es wichtig, hier nicht alles zu vermischen: Worte wie "lachen", "lächeln", "fröhlich" und "Freude" gehören zwar alle in denselben Bereich, sie sind aber nicht einfach austauschbar.

Das, was nach außen sichtbar ist, muß nicht unbedingt dem entsprechen, wie es in einem Menschen aussieht. Fröhlichkeit kann durchaus eine Maske sein, die alles verdeckt, was zu dieser nicht zu passen scheint.

Ganz sicher gibt es Menschen, die von ihrem Wesen einfach positiv eingestellt sind. Menschen, die sagen, ein Glas sei "halbvoll" werden in der Regel eher eine positive, fröhliche Stimmung verbreiten als diejenigen, für die das Glas "halbleer" ist.

Alles also nur eine Frage der Einstellung? Alles nur eine Frage des Typs?

Und wie steht es mit den Christen? Sind sie in dieser Hinsicht ein Vorbild? Spürt man ihnen etwas ab von einer Freude, die nicht zerstört werden kann? Oder blicken sie mehr sauertöpfisch und griesgrämig in die Landschaft? Ist es vielleicht so, wie es in einem alten frommen Schlager einmal hieß: "Wir Christen sind zwar fröhlich, wir zeigen's bloß nicht so ...!"?!

Wenn wir uns auf Spurensuche in der Bibel machen, dann finden wir dort viel zu unserem Thema. So stellt schon der weise König Salomo fest: "Ein fröhliches Herz macht ein fröhliches Angesicht; aber wenn das Herz bekümmert ist, entfällt auch der Mut" (Spr 15,13). Hier ist die Rede von einer Freude, die von innen, aus dem Herzen kommt. Das Herz ist in der Bibel ja das Organ, das unser ganzes Fühlen, Denken und Reden bestimmt. Da steckt eine tiefe Wahrheit drin: Unser Herz wird nicht dadurch fröhlich, daß wir ein fröhliches Angesicht "machen", das heißt doch: daß wir ein "keep smiling"-Gesicht "aufsetzen". Es ist vielmehr umgekehrt: Wenn unser Herz fröhlich ist, wenn wir tief im Inneren von Freude erfüllt sind, dann kann man das auch an unserem Gesicht ablesen.

Wie aber bekommt man ein fröhliches Herz? Wie entsteht solche Freude von innen?

Die Bibel läßt keinen Zweifel daran, daß echte Freude nur eine einzige Quelle haben kann: nämlich den lebendigen Gott. Vor ihm ist "Freude die Fülle und Wonne zu seiner Rechten ewiglich" (Ps 16,11). Das heißt doch: In der Nähe Gottes, in seiner Umgebung, bei ihm herrscht Freude, ungetrübte Freude. Gott selber erinnert uns in seinem Wort immer wieder an diese Tatsache: "Die Freude am HERRN ist eure Stärke" (Neh 8,10), ruft Nehemia den entmutigten Israeliten beim Wiederaufbau der zerstörten Stadt Jerusalem und des Tempels zu. Und Paulus kann die Christen in Philippi sogar zur Freude auffordern, wie wir es vorhin der Lesung gehört haben: "Freut euch in dem Herrn allezeit!" (Phil 4,4)

Auch Jesus war kein Freund von Traurigkeit. Er hat vorgelebt, was es heißt, in Freude zu leben, nicht in oberflächlicher Freude, sondern in der Freude, die aus der Verbindung mit seinem himmlischen Vater kommt. Jesus hat auch gerne gefeiert. Es ist wohl auch kein Zufall, daß er sein erstes Wunder auf einer Familienfeier getan hat, auf einer Hochzeit in Kana. So kann es auch kaum verwundern, daß er immer wieder und in verschiedenen Zusammenhängen von der Freude spricht. So sagt er etwa: "Wenn ihr meine Gebote haltet, so bleibt ihr in meiner Liebe, wie ich meines Vaters Gebote halte und bleibe in seiner Liebe. Das sage ich euch, damit meine Freude in euch bleibe und eure Freude vollkommen werde" (Joh 15,10f).

Echte Freude stellt sich ein, wenn ein Mensch zurückfindet zu Gott. Da feiern die Engel im Himmel eine Riesen-Fete. Denn eine größere Freude kann es nicht geben als die, daß ein Mensch aus seiner Verlorenheit herausfindet und durch Jesus Christus wieder in die Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott findet. "Er zog seine Straße fröhlich" (Apg 8,39) lesen wir von dem äthiopischen Finanzminister, nachdem dieser zum Glauben an Jesus Christus gefunden und sich hat taufen lassen. In einem Lied aus den 70er Jahren bringt jemand diese überschwengliche Freude zum Ausdruck. Da heißt es, und es ist ein Gespräch mit Gott: "Warum habe ich heute diese Freude? Warum ist um mich alles heut so froh und klar? ... Jetzt endlich weiß ich, warum ich lebe! Jetzt endlich weiß ich, daß es dich gibt. Mein ganzes Leben, mein Ziel: Ich wähle dich. Gern will ich gehen auf deinen Straßen, weil sie mich führen alle zur dir. Ich möchte singen vor lauter Freude und weiterschenken, was du mir gibst.

Echte Freude stellt sich ein, wenn wir in Übereinstimmung mit der einzigen Quelle echter Freude, nämlich dem lebendigen Gott, leben. Wenn wir seine Gebote halten, wenn wir nach seinem Willen fragen und diesen Willen auch gerne tun, dann breitet sich Freude aus in unserem Leben. Freude, die auch ansteckt. Denn Freude kann man nicht für sich behalten. Es gehört zum Wesen der Freude, daß sie sich nach außen Bahn bricht. Oder, wie es schon ein Sprichwort sagt: "Wer Freude erfahren will, muß teilen, denn sie wurde als Zwilling geboren."

Echte Freude ist mehr als ein Gefühl. Echte Freude ist nicht abhängig von den Umständen, sondern zieht sich wie ein roter Faden, wie eine Grundmelodie durch unser Leben. Echte Freude kann es selbst inmitten von ungelösten Problemen, inmitten von unbeantworteten Fragen, inmitten von schwierigen Entscheidungen geben!

Nun sind wir aber natürlich nüchtern genug, um zu sehen und zu merken, daß die Freude sich nicht so einfach ausbreitet, wie wir es uns vielleicht wünschen würden. Woran kann das liegen?

Es gibt ganz offensichtlich eine ganze Reihe von Dingen in unserem Leben, die es verhindern, daß die Freude sich ausbreiten kann in uns und um uns herum. Als "Freudeblocker" möchte ich diese Dinge einmal bezeichnen. Wenn die Blockade weg ist, wird überhaupt erst der Weg frei zu neuer echter Freude.

Ich nenne einmal ein paar davon.

Da wäre vielleicht zuerst die Sorge zu nennen. "Sorge im Herzen bedrückt den Menschen" (Spr 12,25), lesen wir in der Bibel. Freude wird sich dann einstellen, wenn wir Sorgen abgeben können. Keinesfalls sollten wir uns Sorgen um unsere Zukunft machen, nicht einmal um den morgigen Tag, "denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, daß jeder Tag seine eigene Plage hat", sagt Jesus in der Bergpredigt (Mt 6,34). "Alle eure Sorge werft auf Gott", fordert uns der Apostel Petrus auf, und er sagt auch, warum wir das dürfen: "... denn er sorgt für euch" (1. Petr 5,7). Dieses Werfen sollte man sich aber nicht so einfach vorstellen, wie man einen Ball in die Hand nimmt und ihn wirft. Man sollte dabei eher an einen Sack Kohlen denken, den man auf einen Anhänger "wirft", "wuchtet"; das erfordert ganz schöne Anstrengung, und es gelingt vielleicht gar nicht aufs erste Mal, sondern erst beim zweiten oder dritten Mal. Es gibt Christen, die haben einen Sorgenübergabevertrag mit Gott geschlossen. Der soll ihnen helfen, immer wieder daran zu denken, die Sorgen abzugeben, auf Gott zu werfen und nicht mit sich herumzuschleppen.

Ein weiterer "Freude-Blocker" ist das Sich-Vergleichen mit anderen und der oft daraus resultierende Neid. STACEY S. PADRICK schrieb einmal: "Unzufriedenheit und Undankbarkeit sind wie zwei gierige Hände, die den Stöpsel aus der Badewanne unserer Freude ziehen." Wenn wir uns mit anderen vergleichen und dabei und diese um ihr größeres Haus, ihr tolleres Auto, ihr attraktiveres Aussehen, ihre bessere Gesundheit beneiden, dann rauben wir uns selbst die Freude. Denn es kann schon sein, daß andere etwas haben, was auch ich mir wünsche, aber wenn ich mein ganzes Vertrauen auf Gott setze, dann darf ich sicher sein, niemals zu kurz zu kommen. Dankbarkeit ist sozusagen der Wasserzulauf und Zufriedenheit der Stöpsel, der den Abfluß der Badewanne der Freude verschließt.

Ein weiterer "Freude-Blocker" ist Sünde und Schuld. Sünde trennt uns von Gott, der ja unser Leben eigentlich zur Entfaltung bringen will. Wenn wir Sünde mit uns herumschleppen, kann keine echte Freude entstehen, weil der Zugang zur Quelle der Freude, nämlich Gott, verstopft und blockiert ist. Wir müssen die Sünde aus unserem Leben herausbringen, um zu echter Freude durchzubrechen. Sünde aber bringen wir nicht selber weg. Ihre Last ist tonnenschwer, das ist für uns nicht zu schaffen. Wenn wir aber vor Gott unsere Schuld bekennen, dann nimmt er sie weg, wie schwer auch immer sie sein mag.

Auch Geschäftigkeit und Streß ist ein "Freude-Blocker". Wenn es mir nicht mehr gelingt, einen gesunden Rhythmus zwischen Arbeiten und Ausruhen zu finden. Wenn ich vor lauter Hektik wie mit einem ICE an den "grünen Auen" und dem "frischen Wasser" vorbeirausche dann lasse ich mir auch die Freude entgehen, die Gott für mich bereithält. Der schließlich ist er es, der "meine Seele erquickt", wie es in Psalm 23 heißt. Oft ist mit dem Streß auch ein Mangel an Schlaf verbunden. "Wer arbeitet, dem ist der Schlaf süß", diesen Ratschlag des Predigers Salomo (Pred 5,11) sollten auch wir uns zu Herzen nehmen.

Auch wenn die Sorge uns manchmal als der Hauptverdächtige in der Schar der "Freude-Blocker" erscheint, ist doch der Hauptschuldige ganz oft der Unglaube. Denn auch wenn äußere Umstände Anlaß zur Sorge geben, wird unsere Freude von dem geprägt, was wir inmitten dieser Umstände über Gott glauben. Paulus erklärte, daß er trotz aller Leiden "allezeit fröhlich" sei (2.Kor 6,10). Bei allem, was Paulus durchgemacht und mitgemacht, durchlitten und durchkämpft hat, hätte Paulus womöglich der schwermütigste und freudloseste Mensch des Neuen Testaments sein müssen. Aber er konnte bekennen: "Ich habe überschwengliche Freude in aller unsrer Bedrängnis" (2.Kor 7,4).

Es gäbe ganz gewiß noch eine ganze Menge weiterer "Freude-Blocker" zu nennen. Doch auch die "Freude-Blocker" können bei jedem Menschen ganz verschieden aussehen. Es lohnt sich auf jeden Fall, einmal darüber nachzudenken und seine eigenen, ganz persönlichen "Freude-Blocker" aufzuspüren.

Wir werden jetzt eine Zeit haben, begleitet von Musik, in der jeder für sich seine Freude-Blocker aufspüren kann und sie sich von Gott zeigen lassen kann. Bringe doch diese "Freude-Blocker", deine ganz persönlichen "Freude-Blocker", im stillen Gebet vor Gott! Gott will Dir deine "Freude-Blocker" wegnehmen, damit neue Freude in Deinem Leben einziehen kann. Manchem ist es eine Hilfe, das auch durch eine symbolische Handlung zu unterstützen. Hier in unserem Taufstein liegen Steine, die unsere "Freude-Blocker" symbolisieren sollen. Ich lade Dich ein, einen oder mehrere Steine zu nehmen und sie um das Kreuz am Altar zu legen als Zeichen dafür, daß wir alle unsere "Freude-Blocker" vor Gott bringen dürfen. Jesus will uns helfen, zu neuer und echter Freude zu kommen, die dann auch Kreise zieht. Denn: "Freude steckt an".

Amen.

Die Kirchengemeinde Eysölden wünscht einen gesegneten Sonntag!