Himmlische Herztransplantation

"Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch"
(Hesekiel 36, 26a)



Liebe Freunde unserer Kirchengemeinde Eysölden im "Netz"!

Noch bevor das Jahr 2017 zu Ende geht, wird es 50 Jahre her sein, dass der südafrikanische Chirurg Christiaan Barnard zum ersten Mal in der Geschichte erfolgreich das Herz eines Menschen auswechselte. Der Erfolg war zwar relativ - sein Patient überlebte nur 18 Tage -, aber seither haben zigtausend Menschen ein "neues" Herz bekommen. Das Problem dabei ist, dass das "neue" Herz eben doch nicht neu ist. Auch wenn das Spender-Herz von einem jüngeren Menschen stammt, ist es doch nicht neu, sondern schon "gebraucht" und anfällig für den gleichen Alterungsprozess wie das Herz, das funktionsuntüchtig geworden war und ausgetauscht werden musste. Das Leben der meisten, die eine Herztransplantation bekommen haben, wird inzwischen durchschnittlich um 10 Jahre verlängert.

In seiner Autobiografie machte Barnard aber auch auf ein anderes Problem aufmerksam. Durch den ganzen Medienrummel, die Partys und Affären mit dem "Jet Set" - den Promis seiner Tage -, die Audienzen mit dem Papst und den Staatsoberhäuptern, durch das und anderes mehr hat er zwar sein Ego gefüttert, aber seine Familie vernachlässigt. Die Reue kam zu spät. Er tröstete sich damit, dass er keinen seiner Patienten je im Stich gelassen hätte …

Der weltberühmte Chirurg hätte selbst ein neues Herz gebraucht, ein Herz, das weiß, was zu tun ist, ein Herz, das nicht nur an sich, sondern auch an andere denkt. Ein Herz, wie wir alle eines bräuchten. Solche Herzen können Menschen nicht transplantieren, nicht neu machen. Das kann alleine Gott.

Gott sagt durch seinen Propheten Hesekiel: "Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch" (Hesekiel 36, 26a) - die Jahreslosung für 2017. Wenn wir diese Worte besser verstehen wollen, lohnt es sich, wenigstens den ganzen Vers 26 zu hören: "… und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben."

Das steinerne Herz soll gegen ein "aus Fleisch" bestehendes, bewegliches und bewegtes Herz ausgetauscht werden. Das "neue Herz" und der Geist Gottes selber sollen aus seinem Volk Menschen machen, die seine "Rechte halten und danach tun". So wird er Gott für sein Volk sein.

Gott will die Beziehung zum Menschen. Das Problem liegt darin, dass der Mensch nicht im gleichen Maße an dieser Beziehung interessiert ist. Es geht um eine verschmähte Liebe. Das ist der rote Faden, der sich durch die Bibel zieht. Gott liebt den Menschen und tut alles, um seine Liebe zu gewinnen - mal werbend, mal drohend, mal lohnend, mal strafend. Es ist ein großes Drama, nach dem die Weltliteratur ihren Stoff modelliert. Am Kreuz von Golgatha und bei der Wiederkunft von Christus zum Weltgericht findet dieses Drama seine Höhepunkte.

Gottes Herz sucht Menschenherzen. Gott leidet darunter, dass wir Menschen, die er als seine Gegenüber, als seine Partner erschaffen hat, solche harten Herzen haben. Was meint die Bibel, wenn sie von "harten (steinernen) Herzen" spricht? Geht es darum, dass wir nicht genügend Anteilnahme zeigen, oder dass unsere Brutalität anscheinend grenzenlos ist? Jesus selbst sagt vom Menschenherzen: "Aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsches Zeugnis, Lästerung" (Matthäus 15,19). Sicherlich gehören diese und viele andere Dinge zu einem harten Herzen - aber das sind nur Symptome, nicht die Krankheit. Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) ist eine Krankheit, die mehr Menschen in der entwickelten Welt tötet als sonst irgendeine. Es ist eine Krankheit, die unter anderem zu Atemlosigkeit, Schwäche, Thrombose, Angina Pectoris, Herzinfarkt, Schlaganfall oder plötzlichem Herztod führen kann. Die Ursache all dieser Symptome ist die Verhärtung der Schlagader (unter anderem) am Herzen.

Das verhärtete Herz kann nicht mit Weichmachern fit gemacht werden. Es braucht ein neues Herz. Gott will keine Symptome bekämpfen oder unter-drücken. Ein verhärtetes Herz muss weg. Es braucht einen Ersatz - ein neues Herz muss her! Es geht nicht darum, dass wir durch besonderen Fleiß oder noch größere Mühe unser Verhalten verändern. Vielmehr geht es darum, dass Gott uns ein neues Herz schenken will. Ein Herz, das nicht von Grund auf krank ist. Gott will uns sein Herz schenken, das von sich aus zu ganz anderem und Neuem fähig ist. Lassen wir es zu?

In erster Linie geht es um ein Herz, das die Beziehung zu ihm will.

Gott will, dass wir unser Leben im Vertrauen auf ihn gestalten. Er will, dass wir mit ihm rechnen. Auch 2017.

Ihr Pfarrer Thomas Lorenz