"Er ist nicht hier;
er ist auferstanden,
wie er gesagt hat."
(Matthäus 28, 6)


Liebe Freunde unserer Kirchengemeinde Eysölden im "Netz"!

Wo suchen wir Gott? Ob wir Gott nicht manchmal an der falschen Stelle suchen?
Manche suchen Jesus in der Geschichte, der Religionsgeschichte. Ein interessanter Mann. Ein Revolutionär im Reden und Handeln, um den sich viele Legenden ranken. Ein großer Denker und Lehrer, ein großer Philosoph, ja sogar ein Prophet, eben ein Großer der Geschichte. Aber wir finden Jesus nicht in der Geschichte. Er ist nicht hier.

Manche suchen Jesus im religiösen Gefühl. Im intensiven In-sich-Gehen muss man ihn finden. Nur innig genug muss es sein. Nur hingebungsvoll genug. Aber wir finden Jesus nicht im Gefühl. Er ist nicht hier.

Manche suchen Jesus im religiösen Gesetz. Im rechten Handeln wird man ihn finden. Wir brauchen nur anständig zu sein und rechtschaffen und ordentlich und korrekt und alles so machen, wie es immer schon recht war. Und wir müssen vor allem das Rechte wollen. "Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen", lässt Goethe einen Engelschor in seinem "Faust" singen. Aber wir finden Jesus nicht im Gesetz. Er ist nicht hier.

Jesus begegnen wir nur, wenn wir auf das Wort Gottes hören und ihm ganz schlicht folgen.

So ging es Maria.

Sie hört zu. Sie hört einfach nur zu, was ihr der Engel des Herrn sagt: "Habt keine Angst! Ich weiß: Ihr sucht Jesus, der gekreuzigt wurde. Jesus ist nicht hier. Gott hat ihn vom Tod auferweckt, wie er es vorausgesagt hat. Kommt her und seht: Hier ist die Stelle, wo er gelegen hat. Und jetzt geht schnell zu seinen Jüngern! Sagt ihnen: ›Jesus wurde vom Tod auferweckt.‹ Seht doch: Er geht euch nach Galiläa voraus. Dort werdet ihr ihn sehen. Seht doch: Ich habe es euch gesagt." (Matthäus 28, 5-7 BasisBibel).

Das ist die wahre Engelsbotschaft von dem lebendigen Gott - nicht was Goethe einem Engelschor in den Mund legt!

Maria hört hin, was ihr der Engel des Herrn sagt.

Also ehrlich, was ist denn das für ein Auftrag?! Aber Maria hört es und tut es. Sie hört und ist einfach gehorsam.

Die Frauen gingen eilends weg, heißt es. Mit Furcht und großer Freude, und sie liefen, um es den Jüngern zu sagen. Sie haben einfach getan, was der Engel ihnen gesagt hat. Sie haben einfach das Wort gehört und sind gefolgt.

Da steht nichts von Verstehen. Nichts von Hinterfragen und Diskutieren und Erörtern und Abwägen. Nein, die Frauen sind unglaublich unkritisch. So befremdend vertrauensselig. So seltsam folgsam. Wirklich merkwürdig.
Aber gerade als sie - ohne zu zögern und zu fragen - genau das tun, was der Engel ihnen gesagt hat, genau da geschieht das größte aller Wunder. Und das stellt alles, was sie eben erlebt haben, nochmals in den Schatten.

"Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüßt!"

Wieder so etwas Ungeheuerliches: Plötzlich steht Jesus da und grüßt sie mit einem damals ganz alltäglichen Gruß.

Vorher hörten sie das Wort Gottes. Von einem Boten zwar, einem Engel, aber schon das war gewaltig. Sie folgten diesem Wort aufs Wort. Und genau dann begegnen sie Jesus persönlich.

Hören und gehorchen - das ist das Geheimnis. So begegnen wir dem leben-digen Gott. So erleben wir unser ureigenes Wunder, unser Osterwunder.

Sind Sie dem lebendigen Jesus Christus schon begegnet? Vielleicht suchen Sie ihn bei den Toten. Vielleicht suchen Sie ihn verzweifelt in der Geschichte. Vielleicht suchen Sie ihn verzweifelt im Gefühl. Vielleicht suchen Sie ihn verzweifelt in Ihrer vermeintlichen Rechtschaffenheit und Anständigkeit …

Wie verzweifelt Sie auch suchen - dort werden Sie ihn nicht finden. Aber zum Verzweifeln haben Sie keinen Grund: Denn gerade dort, wo Sie ihn suchen, begegnet Ihnen ein Engel. Und der sagt Ihnen das Unglaubliche: "Fürchte dich nicht! Er ist nicht hier. Jesus ist auferstanden. Er lebt!"

Hören Sie es! Hören Sie einfach und gehorchen Sie. Glauben Sie das Unglaubliche und sagen Sie es weiter. Es wird Ihnen gehen wie Maria: In diesem Moment begegnet Ihnen Jesus.

Anders ist das Osterwunder nicht zu beschreiben. Anders wird Ostern nicht erfahrbar. Aber so, durch das schlichte Hören, haben Millionen Menschen erlebt: Ostern ist mehr als eine alte Geschichte. Ostern ist Leben pur. Ostern ist ein Wunder, und ich bin mittendrin.

Ihr Pfarrer Thomas Lorenz