Vier Chöre singen zum Reformationstag

Pfarrer Lorenz hofft auf Zusammenarbeit auch über Kirchenjubiläum hinaus

Eysölden (mot) Wer sagt eigentlich, dass der Trauermonat November hoffnungslos sein muss? Zwar drücken Nebel und früher Abend auf das Gemüt und lassen sich bei der Grabpflege zu Allerheiligen die traurigen Gedanken nun einmal nicht unterdrücken - doch das Kirchenkonzert zum 250-jährigen Bestehen der St.-Thomas-Kirche in Eysölden hat gezeigt, dass bei aller Besinnung, bei allem Schmerz die Hoffnung nicht vergessen werden darf.
Pfarrer Thomas Lorenz bezeichnete das Jubiläum, das über mehrere Wochen gefeiert wird, als Fest für jedes Alter. Zum Reformationsfest sollten jetzt die Kirchenchöre von Zell, Thal-mässing und Eysölden und der Posaunenchor Eysölden unter Beweis stellen, dass sie einen Abend würdig gestalten könnten. Kein Problem.
Roland Enzenhöfer, der Leiter des Eysöldener Kirchenchors, bezeichnete den Reformationstag als "besonderes Fest" - und wollte "zugleich Missverständnissen vorbeugen". Martin Luther habe nie eine neue Kirche gründen wollen. Er habe die allgemeine, apostolische Kirche erneuern und zu den Grundlagen zurückführen wollen. "Dazu wollen wir einen ökumenischen Beitrag liefern."
Den Auftakt machte der Posaunenchor mit seinem Leiter Matthias Peipp oben auf der Orgelempore - und ließ die Zuhörer seine Musik spüren, die ganze Kirche schwang mit. Dann der Kirchenchor Zell unter der Leitung von Gertraud Harrer mit Stücken von der Gegenwart bis zurück in den Frühbarock. Ob Ottmar Faulstich oder auch Felix Mendelssohn Bartholdy, manch einer der Zuhörer schloss entspannt die Augen.
Auch der Kirchenchor Thalmässing mit Fritz Dorner überzeugte, ihm stellte Enzenhöfer voraus, dass "Wort und Ton, Geist und Klang durch die menschliche Stimme miteinander verwoben werden". Sehnsüchtige, hoffnungsvolle Lieder voll tiefem Glauben - auch der Eysöldener Chor, den schließlich Enzenhöfer selbst dirigierte, bekam kräftigen Applaus für seinen Auftritt. Alle vier Gruppen freilich konnten nicht mithalten, als vier Nachwuchsmusiker des Posaunenchors dreistimmig die Europa-Fanfare spielten. So viel Applaus hatte es den ganzen Abend über nicht gegeben - auch nicht, als alle Musiker und Sänger gemeinsam auftraten.
Ehe auch die Besucher des Kirchenkonzerts mitsangen bei "Unser Vater" und "Dein Wort, o Herr, bringt uns zusammen", wies Pfarrer Lorenz noch auf ein Konzert am 2. Advent um 18 Umhin, ebenfalls in der Kirche. "Hauch des Himmels" heißt die Pop-Kantate zur Adventszeit, die auch für Familien mit Kindern gedacht ist. Ein Chor mit 70 Sängern und Band werde im Vorprogramm auch ein Potpourri aus Weihnachtsliedern singen.
Und: Lorenz hofft, dass die Kirchenchöre auch weiterhin zusammen auftreten. "Das ist ein großartiges Potenzial", sagte er in der Hoffnung, "dass dies hier heute nicht nur ein Geburtstagsgeschenk war."

Die Stifter unseres "neuen" Abendmahlskelches

Seit dem Michaelistag (29. September) 2013 haben wir unseren "neuen" vergoldeten Konsekrationskelch in Gebrauch. Vor einem Jahr habe ich Ihnen im Gemeindebrief einige Hintergrundinformationen dazu gegeben: ein Abendmahlskelch aus Silber, der von zwei Gemeindegliedern 1896 gestiftet wurde. Aber von welchen und aus welchem Anlass?
Glücklicherweise haben wir in unserer Gemeinde in Johann Gerngroß einen engagierten Ahnen- und Heimatgeschichtsforscher, dem es viel Freude macht, stundenlang in alten Büchern auf der Gemeinde und in Kirchenbüchern Nachforschungen anzustellen (er sperrt übrigens seit Jahren auch unsere Kirche täglich treu und zuverlässig morgens auf und abends zu).
Das Ergebnis seiner Nachforschungen lässt sich kurz so zusammenfassen: Zwei Väter von Konfirmanden stifteten im Jahr 1896 aus Anlass der Konfirmation ihrer Kinder einen silbernen Abendmahlskelch.
Der eine Stifter des Kelches war
Georg Michael Meyer (geb. 25.06.1867 in Graben bei Treuchtlingen, gest. 11.06.1944 in Eysölden). Er heiratete am 18. September 1889 die Witwe Barbara Gerngroß, geb. Bernreuther, die Besitzerin des Gutshofs mit Brauerei zum Schwarzen Bären in Eysölden in zweiter Ehe. Ihr erster Ehemann Friedrich Gerngroß starb im Alter von 30½ Jahren an einer schweren Lungenkrankheit. Er hinterließ seine Ehefrau Barbara mit drei kleinen Kindern. Eines davon, Georg Michael Meyers Stieftochter Anna Maria, geboren 1883, hatte 1896 Konfirmation und starb bereits drei Jahre später mit 16 Jahren.
Der andere Stifter des Kelches,
Johann Michael Kirschner (geb. 10.03.1850 in Eysölden, dort gest. 12.12.1921) war Bäckermeister und Landwirt, verheiratet mit Maria Barbara, geb. Gänsbauer, aus Aue. Die Kirschners (Hausname Gaulbeck) kamen als Exulanten aus Oberösterreich (Glashütten) zunächst nach Steindl, dann nach Eysölden. Auch sein Sohn, der ebenfalls Johann Michael Kirschner hieß und 1896 Konfirmation hatte, wurde Bäckermeister und Landwirt. Er unterrichtete Jugendliche am Harmonium und an der Posaune und war Mitbegründer des Eysöldener Posaunenchors. Er wirkte auch als Organist in Eysölden und Offenbau (!).
Beide Männer stifteten also gemeinsam den Abendmahlskelch anlässlich der Konfirmation ihrer Kinder (Georg Michael Meyers Stieftochter Anna Maria und Johann Michael Kirschner seniors Sohn Johann Michael junior) am Palmsonntag des Jahres 1896.